Kleine Fernsehsender sehen Reichweite in Gefahr
Kampf der Systeme

Das digitale Antennenfernsehen entwickelt sich besser als erwartet: Die nötigen Decoder werden zu Verkaufsschlagern. Kabel- und Satellitenbetreiber, aber auch kleine TV-Sender beäugen diesen Erfolg mit Misstrauen: Sie fürchten um ihr Geschäftsmodell.

DÜSSELDORF. Im tristen Ismaning ist man auf das digitale Fernsehen per Antenne, besser bekannt unter DVB-T (Digital Video Broadcasting Terrestrial), nicht gerade gut zu sprechen. In dem Münchener Medienvorort sitzt das Deutsche Sportfernsehen (DSF). Der kleine Sender fürchtet um seine Zuschauer, sollte DVB-T zum bundesweiten Erfolg werden. Denn das „Überallfernsehen“ hat nur 24 Kanäle zur Verfügung, zu wenig Platz für Spartenkanäle wie das DSF. Zum Vergleich: Beim Kabel sind es 33 bis 37. Bisher gleicht die Einführung von DVB-T einem Siegeszug. Die Decoder, die zum Empfang notwendig sind, wurden in manchen Städten zur Mangelware. Nach Berlin, Hamburg, Frankfurt, Niedersachsen, Rheinland und dem Ruhrgebiet startet das Überallfernsehen im Frühjahr nächsten Jahres auch noch in München, Nürnberg und Sachsen. Bis 2010 soll DVB-T in allen deutschen Ballungsräumen zu empfangen sein.

Die kleinen Sender sind von der bisherigen Erfolgsstory beunruhigt. Denn in den meisten Ballungsräumen bleiben sie ausgeschlossen. Sollten sie tatsächlich den Zuschlag für einen DVB-T-Kanal erhalten, wird es teuer. Für die digitale Ausstrahlung über Antenne kommt allein in Nordrhein-Westfalen schnell eine Summe von über 300 000 Euro zusammen. „Für uns überwiegen bisher die Kosten und nicht der Nutzen“, sagt ein DSF-Sprecher. Doch der Druck wächst. Beim Start von DVB-T in Bayern überlegt der Sportkanal nun mitzumachen. Schließlich geht es um die Existenzsicherung. „Die Medienpolitiker haben gar nicht überlegt, dass sie mit der Förderung von DVB-T die kleinen und kleinsten Kanäle an die Wand drücken, sollte das Überallfernsehen ein Markterfolg werden“, fürchtet ein Insider.

Die stärksten Feinde des digitalen Antennenfernsehens sind aber die Kabel- und Satellitenbetreiber. Sie laufen derzeit Sturm gegen die kostenlose Konkurrenztechnik. Satellitenbetreiber wie die Luxemburger SES Global klagen über den ungleichen Wettbewerb. „Wir stoßen uns daran, dass eine neue Verteiltechnik mit staatlichen Mitteln subventioniert wird. Das ist eine Wettbewerbsverzerrung“, protestiert ein SES-Sprecher. Georg Hofer, Chef von Kabel Baden-Württemberg, klagt öffentlich über die Zweckentfremdung öffentlicher Gelder. Mittlerweile haben Kabel- und Satellitengesellschaften einen Etappensieg errungen. Die EU-Kommission prüft seit Sommer, ob die Förderung von DVB-T mit öffentlichen Mitteln unzulässig ist. Die Medienanstalten subventionieren die Fernsehsender, um die mit DVB-T verbundenen Mehrkosten zu decken. Allein die Landesanstalt für Medien in NRW fördert die Vermarktung von DVB-T mit einer halben Million Euro, sobald Brüssel grünes Licht gibt.

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