Kletter-Roboter
Härtetest am künstlichen Mondkrater

Zerklüftete Hänge und scharfkantiges Geröll - ein Einsatz auf dem Mond ist kein Spaziergang für Roboter. Ob diese fit dafür sind, können Wissenschaftler jetzt in einer nachgebauten Kraterlandschaft in Bremen testen.
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HB BREMEN. Zentimeter für Zentimeter krabbelt der Roboter durch den Mondkrater. Plötzlich gerät er auf dem steilen Hang leicht ins Rutschen. Eines seiner sechs Beine verfängt sich in einem tiefen Loch. „Das macht nichts. Da kommt er raus“, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Wolfgang Wahlster, in Bremen. Dort können Wissenschaftler seit Anfang der Woche Roboter in einer künstlichen Mondlandschaft testen.

In der fast 300 Quadratmeter großen Halle ist ein Krater vom Südpol des Erdtrabanten nachgebildet. Als Vorlage dienten Aufnahmen der Apollo 16-Mission. „Das ist keine 1:1-Kopie, stellt aber die Originalstruktur dar“, erläutert Frank Kirchner, der den Bremer Standort für Robotik leitet. Steiniger Boden, zerklüftete Hänge und scharfkantiger Sand – der Einsatz auf dem aus Glasfaserkunststoff hergestellten Untergrund ist kein Spaziergang für den „SpaceClimber“.

Der am DFKI entwickelte Kletter-Roboter soll in der Halle für einen möglichen Einsatz auf dem Erdtrabanten fit gemacht werden. Da er sich nur langsam bewegen kann, arbeitet er im Team: Huckepack fährt er auf einem anderen Roboter mit, der auf Rädern rollt. Auf einem vier Meter hohen Plateau und einer verstellbaren Rampe soll dieser die Bodenstrukturen auf dem Mond ausprobieren können.

In der zehn Meter hohen Halle können die Forscher außerdem simulieren, wie sich zwei Satelliten annähern. Das soll bei der Entwicklung eines Systems helfen, das Weltraumschrott einsammelt.

„Man hat den Schrott jahrelang im All rumfliegen lassen. Nun wird er zum wirtschaftlichen Problem“, sagt Wahlster. Denn dieser könne Milliardenschäden anrichten. Eine Weltraum-Müllabfuhr könnte die Schrottteile künftig in eine höhere Umlaufbahn heben oder zum kontrollierten Absturz bringen.

18 Monate hat das DFKI an der künstlichen Mondlandschaft gebaut. „In ihrer Ausstattung ist die Halle weltweit einzigartig“, sagt der Informatikprofessor Kirchner. Die Europäische Weltraumbehörde ESA habe bereits Interesse angemeldet. Auch andere Forschungseinrichtungen und die Raumfahrtindustrie sollen die rund 600 000 Euro teure Anlage nutzen können.

Im kommenden Frühjahr will das Robotik-Institut mit dem Bau eines großen Unterwasserbeckens beginnen. Dort sollen dann wasserfeste Modelle des Kletter-Roboters wie unter Schwerelosigkeit trainieren.

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