Klima
Erde seit 400 Jahren noch nie so heiß wie heute

Die Erde ist auf Grund menschlicher Aktivitäten heute wärmer als in den vergangenen 400, wahrscheinlich sogar 1 000 Jahren. Das bestätigt eine Studie des unabhängigen US-Forschungsrats (National Research Council/NRC), die der US-Kongress in Auftrag gegeben hatte.

dpa NEW YORK/WASHINGTON. Die Erde ist auf Grund menschlicher Aktivitäten heute wärmer als in den vergangenen 400, wahrscheinlich sogar 1 000 Jahren. Das bestätigt eine Studie des unabhängigen US-Forschungsrats (National Research Council/NRC), die der US-Kongress in Auftrag gegeben hatte.

Das Ergebnis steht im Widerspruch zur Haltung der Regierung von US-Präsident George W. Bush: Sie hat bisher darauf beharrt, dass der Klimawandel nicht ernst genug sei, um den Schadstoffausstoß auf Kosten von Arbeitsplätzen stärker zu reduzieren. Solche verschärften Kontrollen, so argumentiert das Weiße Haus, könnte den Verlust von Mill. Jobs bedeuten.

Konkret veranlasst wurde die Studie vom Vorsitzenden des Wissenschaftsausschusses des US-Abgeordnetenhauses, Sherwood Boehlert, ein Republikaner und damit Parteifreund von Bush. Nach der jüngsten Studie könne es keinen Zweifel an Rechtmäßigkeit und Korrektheit der Schlussfolgerungen über die Erderwärmung geben, zitierten Medien Boehlert am Freitag. Es habe sich auch gezeigt, dass es am besten sei, wissenschaftliche Dispute durch die Einschaltung unabhängiger Experten klären zu lassen.

Der Forschungsrat, der die Studie erstellte, gehört zur National Academy of Sciences (NAS), einem Bund von 2000 US- und 350 nicht amerikanischen Wissenschaftlern, unter ihnen 200 Nobelpreisträger. Nach den Untersuchungen des Gremiums unter Federführung des Meteorologen und Ozeanographen Gerald North von der Texas A & M Universität war es in den vergangenen 25 Jahren vielerorts wärmer als in irgendeiner anderen 25-Jahresperiode der vergangenen 900 Jahre. Aus einem Vergleich mit rekonstruierten Temperaturen aus der vorindustriellen Zeit schließt die Expertengruppe, dass die globale Erwärmung auf den Einfluss des Menschen zurückzuführen sei.

Demnach stieg die Temperatur der Erdoberfläche im letzten Jahrhundert um mindestens 0,6 Grad Celsius an. Weiterhin stellt das Gremium in seinem Bericht fest, dass die Erwärmung der nördlichen Hemisphäre in den vergangenen Jahrzehnte ihresgleichen sucht in den vergangenen 1 000 Jahren. Darüber hinaus berichtet der Rat dem Kongress, dass sich die 1990er Jahre im Rückblick auf das vergangene Jahrtausend als das wärmste Jahrzehnt darstellen.

Erstmals war vor fast zehn Jahren der Klimatologe Michael Mann von der Staatsuniversität Pennsylvania zu dem Schluss gekommen, dass sich die Erde nach langer Stabilität plötzlich abrupt auf die höchste Temperatur seit 1 000 Jahren erwärmt habe.

Die jüngste Studie für den Kongress diente in erster Linie dazu, die Erkenntnisse Manns und zwei weiterer klimatologischer Untersuchungen zur Erderwärmung zu überprüfen, deren Resultate von politisch konservativen Kreisen angezweifelt worden waren. Sie sahen in den Forschungsergebnissen das Werk voreingenommener übereifriger Wissenschaftler, die die Regierung mit fragwürdigen Methoden zu verstärkten Maßnahmen gegen die Treibhausgase zwingen wollten. Die nach der Form als „Hockeyschlägerkurve“ bezeichnete Grafik von Mann war kritisiert worden, weil die darin gezeigten Ausschläge in früheren Jahrhunderten zu flach seien.

Der Republikaner Boehlert hatte die Studie in Auftrag gegeben, nachdem Joe Barton, der den Energieausschuss der Kongresskammer leitet, ebenfalls Republikaner ist und das Ausmaß des Klimawandels in Frage stellt, eine Untersuchung gegen Mann und zwei weitere Klimaforscher in die Wege geleitet hatte. Unter anderem waren zu diesem Zweck auch Manns Computerprogramme und andere seiner Unterlagen beschlagnahmt worden.

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