Klimaanlage fürs Eigenheim
Kühler Kopf

Mit einer Klimaanlage für zu Hause bleiben die eigenen vier Wände auch im Hochsommer angenehm temperiert. Das muss nicht automatisch stromfressend und damit teuer sein: Es gibt viele günstige Um- und Einbaumöglichkeiten – zum Beispiel die Heizung so umzurüsten, dass sie kühlt statt wärmt.
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DÜSSELDORF. Der Kauf von Raumklimageräten ist auf Dauer ziemlich teuer, denn sie treiben die Stromrechnung kräftig nach oben. Eine gute Alternative gerade für Neubauten sind speziell gedämmte Wände, die im Winter die Wärme drinnen halten und im Sommer die Hitze draußen. Besonders raffiniert leistet dies ein Innenputz mit Tausenden von Mikrokapseln. Paraffine in ihrem Inneren speichern die Wärme und geben sie erst wieder ab, wenn es nachts kühl wird. Eine spezielle Klimawand des Fertighausherstellers Luxhaus in Georgensgmünd schirmt die Hitze mit einer sechs Zentimeter dicken Holzfaserdämmplatte ab. Außenrollos und andere Beschattungssysteme vor den Fenstern und Dachluken helfen hier zusätzlich.

Bis zu 79 Prozent der Wärmeeinstrahlung durch die Sonne reduzieren Sonnenschutzfolien von Haverkamp aus Münster, die auch nachträglich noch auf das Glas der Außenfenster gezogen werden können. Die sogenannten Opalfilm-Folien aus PET halten auch die schädlichen ultravioletten Strahlen draußen - fast zu 100 Prozent und zu Preisen um die 80 Euro pro Quadratmeter Fensterfläche.

Eine andere Variante ist es, die Heizung im Sommer zur Klimaanlage umzufunktionieren: Statt warmem zirkuliert dann kaltes Wasser durch die Heizkörper oder die Rohre der Fußbodenheizung. Stiebel-Eltron aus Holzminden etwa kombiniert dazu eine Wärmepumpe im Keller (WPC cool, ab 9500 Euro) mit einer Sonde im Erdreich. Das System entzieht dem Boden Kälte und speist diese in das Heizungssystem ein. Die Betriebskosten beschränken sich auf den Stromverbrauch der kleinen Umwälzpumpe.

Wunderbar lässt sich auch die Sonne selbst nutzen, um einen kühlen Kopf im Haus zu bewahren. Sie liefert über Kollektoren im Sommer im Überfluss die Energie für sogenannte thermisch angetriebene Kältemaschinen. Deren Prinzip: Sie entziehen der Raumluft mithilfe spezieller Materialien wie Silicatgel Wasser. Die dabei entstehende Verdunstungskälte wird zur Kühlung genutzt. Damit das Gel immer wieder neues Wasser aufnehmen kann, muss es zwischendurch getrocknet werden - die Wärme dafür sammeln die Kollektoren. In Europa sind bereits mehr als 100 Systeme zur solaren Kühlung auf dem Markt. Zusätzlich erzeugen sie Energie für die Warmwasserbereitung und im Winter für die Unterstützung der Heizung. Ein führender Anbieter ist das Hamburger Unternehmen Conergy. Die Preise ihrer Anlagen für ein Einfamilienhaus starten bei etwa 45 000 Euro inklusive Montage.

Auf Verdunstung basiert auch ein neues Frischluftklimagerät von Kampmann in Lingen an der Ems. Die Wärme der Abluft verdunstet an dem Wärmetauscher einen auf Lamellen gesprenkelten dünnen Wasserfilm. Die Kälte geht dann auf die einströmende Außenluft über. Sie wird dabei, so der Hersteller, um rund zwölf Grad abgekühlt. Über Rohre wird die Kühle im ganzen Haus verteilt. Im Winter kann das Gerät genutzt werden, um Wärme zur Heizungsunterstützung zurückzugewinnen. Die Preise für die einfachsten Geräte starten mit 5000 Euro.

Die Freiburger Solarsiedlung beweist, dass vorbeugen prinzipiell besser ist als teuer nachrüsten. Die 47 Häuser am dortigen Schlierberg verfügen über eine eingebaute dezentrale Raumlüftung des Ulmer Unternehmens LTM, die pro Haus etwa 2900 Euro kostet. In jedem Stockwerk sitzt auf der Nordseite ein Ventilator, der alle 90 Sekunden die warme Raumluft nach draußen bläst. Dabei geht die gespeicherte Wärme auf die Metall-Lamellen des Wärmetauschers über. Im nächsten Arbeitstakt saugt der Ventilator frische Luft an, wobei die Lamellen die kühle Außenluft wärmen, bevor sie ins Haus strömt. Eingebaut ist zudem ein Feinstaubfilter. Er hält die Luft selbst bei komplett geschlossenen Fenstern lange Zeit frisch.

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