Klimaanlagen
Prima Klima

Nach den Wetterprognosen werden die Sommer in Mitteleuropa immer wärmer. Klimaanlagen in den Büros ächzen aber schon jetzt unter der Belastung. Neue Systeme sollen den Kollaps verhindern.
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An seine persönliche Klimakatastrophe kann sich Bernd Kampkötter noch gut erinnern: Während er an seinem Schreibtisch im Südflügel im kurzen Hemd schwitzte, fröstelte seine Kollegin nur ein paar Meter weiter in ihrem Büro auf der Nordseite trotz dickem Wollpulli und Heizöfchen vor ihren Füßen.

Heute schwitzt und friert dort niemand mehr. Der rund 50 Jahre alte Gebäudekomplex, der die Hauptverwaltung des Dortmunder Energie- und Wasserversorgers DEW21 beherbergt, ist in den zurückliegenden Monaten klimatechnisch auf dem neuesten Stand gebracht worden. In jedem Büroraum steuert nun ein eigener Rechner die Funktionen der intelligenten Doppelfassade - individuell und abhängig von den Witterungsbedingungen, in bis zu 900 Varianten. Die Fensterelemente von Schüco lassen sich in Sommernächten öffnen, um die Abkühlung des Baus zu beschleunigen. Und perforierte Gipskartondecken mit aufgeklebten Wasserleitungen sorgen dafür, dass die Mitarbeiter auch bei Außentemperaturen von 30 Grad einen kühlen Kopf behalten.

Die Technik erhöht nicht nur die Produktivität der Mitarbeiter, sie bessert auch die Kassenlage des Unternehmens auf. "Durch die Sanierung sparen wir gegenüber dem Altbau 50 Prozent Primärenergie", rechnet Projektleiter Wolfgang Wagner vor.

Büroräume heizen sich durch den massiven Einsatz von Computern, Leuchten, Druckern und Kopierern immer stärker auf. Sobald die Raumtemperatur aber die Grenze von 22 Grad Celsius überschreitet, lässt die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter nach, und zwar pro Grad um fünf Prozent, so Professor Ulrich Pfeiffenberger, Vorsitzender des Fachinstituts Gebäudeklima in Bietigheim-Bissingen. Bei einer Raumtemperatur von 28 Grad sinke die Leistung von Angestellten somit um rund 30 Prozent. "Für die Produktivität kommt der richtigen Klimatisierung daher eine entscheidende Bedeutung zu", findet Pfeiffenberger.

Weil die Sommer in Mitteleuropa nach den aktuellen Klimaprognosen irgendwann immer heißer werden, dürften in den nächsten Jahren zahlreiche Gebäude mit Klimaanlagen ausgestattet werden. Die internationale Energie Agentur (IEA) rechnet mit einer jährlichen Zunahme von gekühlten Gebäuden um weltweit 12,7 Prozent - meist mit energiezehrenden Kältemaschinen. Heute schon gehen rund 40 Prozent der eingesetzten Energie dafür drauf, das Wohlbefinden in Gebäuden zu steigern: durch Heizen, Kühlen, Lüften und Beleuchten. Manche Experten rechen damit, dass wegen der Klimaerwärmung der Kühlbedarf sich verdoppele bis verfünffache, während der Heizenergiebedarf nur um 30 bis 35 Prozent sinkt.

Eine energiesparende Klimatisierung von Büros gewinnt deshalb immer mehr an Bedeutung. Klimatechnik von morgen ist nicht das bloße Kühlen von Räumen durch Klimaanlagen. Dazu gehören künftig das Verhindern direkter Sonneneinstrahlung, der Einsatz thermoaktiver Baumaterialien, die Überhitzung abpuffern können, Erdwärmespeicher oder Decken- und Wandkühlungen, in denen kaltes Wasser fließt.

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