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Klimapionier Charles Keeling tot

Der Klimapionier Charles David Keeling ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Keeling hatte in den 1950er Jahren als erster Forscher erhöhte Werte des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre nachgewiesen und den bisher unaufhaltsamen Anstieg fast ein halbes Jahrhundert lang verfolgt.

dpa SAN DIEGO. Der Klimapionier Charles David Keeling ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Keeling hatte in den 1950er Jahren als erster Forscher erhöhte Werte des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre nachgewiesen und den bisher unaufhaltsamen Anstieg fast ein halbes Jahrhundert lang verfolgt.

Er erlitt am Montag einen tödlichen Herzinfarkt, wie das Scripps-Forschungszentrum für Ozeanographie in San Diego am Donnerstagabend (Ortszeit) berichtete. An diesem Institut hatte der Klimaforscher fast sein ganzes Leben lang gearbeitet.

Keelings Studien zeigten, dass die atmosphärische Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid seit Beginn des Industriezeitalters ständig ansteigt. Lange Zeit war unbekannt, ob sich das Kohlendioxid aus den Autos und Fabrikschornsteinen in der Atmosphäre anreichert oder ob es von Pflanzen und Meeren vollständig aufgenommen wird. Keeling beantwortete diese Frage und stellte die Verbindung zwischen dem zunehmenden Verbrauch fossiler Brennstoffe und dem zunehmenden Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre her.

Hatte der CO2-Gehalt 1957 am Vulkan Mauna Loa auf Hawaii noch bei 315 ppm (Teile CO2 pro Mill. Teile Luft) gelegen, so ist der Wert inzwischen auf mehr als 380 ppm gestiegen. Niemand bezweifelt die Genauigkeit von Keelings Messungen, schreibt die „Los Angeles Times“ vom Freitag. Auch Keelings Erklärung für die Ursache der steigenden Werte werde überall akzeptiert. Dagegen wehre sich die US-Regierung unter Präsident George W. Bush bis heute gegen Keelings Schluss, dass menschengemachte Treibhausgase zur Erwärmung der Erde führen.

Dennoch zeichnete Bush den am 20. April 1928 geborenen Forscher im Jahr 2002 mit der nationalen Wissenschaftsmedaille aus, der höchsten Auszeichnung der USA, die ein Wissenschaftler für sein Lebenswerk erlangen kann. Sie ist allerdings nur eine der vielen Ehren, die ihm in seiner Laufbahn zuteil wurden. Keelings Aufzeichnungen sind nach Überzeugung von Scripps-Direktor Charles Kennel „die bei weitem wichtigsten Umweltdaten“ des 20. Jahrhunderts. „Dave Keeling ist der beste Beweis dafür, dass ein Wissenschaftler mit seiner Arbeit im Labor die Welt verändern kann.“

Schon ganz zu Beginn seiner Karriere entwickelte Keeling das erste Messgerät für Kohlenstoffdioxid-Konzentrationen. Damals schwankten die Schätzungen von Klimatologen noch zwischen 150 und 450 ppm. Schon die ersten Messungen vor knapp 50 Jahren zeigten Keeling, dass der CO2-Gehalt deutlich über den 280 ppm lag, die Vergleichsmessungen von Eisschichten aus dem 19. Jahrhundert preisgaben. Keelings Daten ergaben auch, dass die CO2-Werte in der nördlichen Hemisphäre jeweils im Spätwinter ihren Höchststand erreichen und im Frühjahr mit Beginn des Pflanzenwachstums wieder leicht sinken.

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