Klimawandel
Vom kleinen Trend zum großen Schub

Die Debatte über den Klimawandel wird konkret. Sozialwissenschaftler beobachten und beurteilen: Eine angemessene Reaktion auf den Klimawandel liegt im Trend und wird zum Wettbewerbsvorteil. Die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel ist in Gesellschaft und Wirtschaft angekommen.

BERLIN. „An den Küsten – sagt man – steigt die Flut“, schrieb der Lyriker Jakob van Hoddis 1911 in seinem berühmten Gedicht „Weltende“. Lange Zeit dominierten auch in den Medienberichten über den Klimawandel Szenarien vom Weltuntergang die Diskussion. Thema waren der Vormarsch der Wüsten und überschwemmte Landstriche. Seit Ende 2006 die ersten Teilberichte aus dem vierten IPCC-Bericht der Uno zu den Klimaänderungen veröffentlicht wurden, am vergangenen Freitag der dritte, hat sich der Fokus geändert.

Ein wahrer Medienhype brach los, beginnend mit Alarmismus, dann mit Berichten mit dem Tenor: Es ist Zeit zu handeln. „Stern“ und „Bild“ rufen ihre Leser nun dazu auf, die Welt zu retten, der „Spiegel“ schreibt von „Klima-Hysterie“. Sozialwissenschaftler beobachten und beurteilen: Eine angemessene Reaktion auf den Klimawandel liegt im Trend und wird zum Wettbewerbsvorteil. Die Stadt New York etwa will eine Million Bäume pflanzen. Die Rocksängerin Sheryl Crow tingelt derzeit durch die USA, um an Colleges für mehr Umweltbewusstsein zu werben. Selbst in der virtuellen Welt des „Second Life“ diskutieren deutsche Politiker über die Klimakatastrophe.

Fritz Reusswig, Soziologe und stellvertretender Leiter der Abteilung „Globaler Wandel und soziale Systeme“ am renommierten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), analysiert die öffentliche Klimadiskussion seit Jahren. Er konstatiert: „Es gibt eine Wandlung vom Forschungsdiskurs zum Handlungsdiskurs.“ Die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel sei endlich in Gesellschaft und Wirtschaft angekommen, das Thema ist „aus der grünen Ecke raus“. Doch was heißt das für die Entstehung einer nachhaltigen Kultur? Drei Dimensionen müssten beachtet werden, so Reusswig: Technologie und Unternehmen, Politik sowie Lebensstil und Werte.

Die Voraussetzungen für einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft sind gar nicht schlecht. Anfang April hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in einer Studie festgestellt, dass 50 Prozent der Verbraucher die weltweiten Folgen der Klimaerwärmung als realistisch einstufen und ihr Verhalten ändern wollen. Die Mehrheit will etwas gegen die Klimakatastrophe tun, wenn es auch erst einmal nur um die Anschaffung von Energiesparlampen und den Kauf von Haushaltsgeräten mit geringerem Stromverbrauch geht.

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