Klinische Studien
Tiere liefern Organe für Menschen

Der Gedanke klingt bizarr, doch kann Leben retten: Die Transplantation von tierischen Organen in menschliche Körper ist vielleicht eine Lösung um Krankheiten wie Diabetes in den Griff zu bekommen. In Australien beginnen nun erste klinische Studien.

BERLIN. Wie Tiere in Zukunft als Ersatzteillager für den Menschen Organe und Zellen bereitstellen könnten, wird seit geraumer Zeit erforscht. Nun startet die australische Firma Living Cell Technologies (LCT) die erste klinische Studie zur so genannten Xenotransplantation. Sechs Diabetikern sollen so genannte Inselzellen aus Schweinen eingepflanzt werden, die die Produktion des fehlenden Insulins übernehmen sollen. Eine Langzeitbeobachtung an einem Patienten hatte gezeigt, dass eingepflanzte Inselzellen von Schweinen auch nach zehn Jahren noch am Leben waren. Jedoch war der Insulinbedarf des Patienten aus Neuseeland nur für kurze Zeit um ein Drittel gesunken.

Das will LCT nun ändern. In Zukunft sollen die Transplantate den Insulinbedarf der Patienten über einen langen Zeitraum decken. Um eine Abstoßungsreaktion durch das Immunsystem zu verhindern, umgibt LCT die Schweinezellen mit einer Hülle aus Alginat, ein aus Meeresalgen gewonnenes Polymer, das nach Angaben der Firma vom Immunsystem toleriert wird. So ließe sich der Einsatz von Immunsupressiva umgehen, die die Aktivität des Immunsystems generell herunterfahren und so eine Reaktion auf die fremden Zellen verhindern, den Körper aber auch anfälliger für Krankheiten machen.

Beobachtende Forscher sind allerdings skeptisch, ob sich das Problem der Immunreaktion mit den Kapseln ganz lösen lässt. Denn um einen Austausch von Nährstoffen und Insulin zwischen Körper und Zellen zu gewährleisten, muss die Kapsel durchlässig für kleinere Moleküle sein. „Auf diesem Wege können auch von den Zellen freigesetzte, fremde Eiweiße nach außen gelangen“, sagt Bernhard Hering, der an der University of Minnesota eine Arbeitsgruppe zur Inselzelltransplantation leitet.

Ein weiteres Problem bei der Xenotransplantation sind so genannte endogene Retroviren. Diese Viren sind im Erbgut aller Schweine verankert und können menschliche Zellen infizieren. Von der Alginat-Hülle könnten solche Viren eventuell zurückgehalten werden, sagt Joachim Denner vom Robert-Koch-Institut in Berlin, der die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation leitet. Eine Sicherheitsgarantie sei die Verkapselung jedoch nicht, da die Hülle auch platzen könne.

Sollten diese Probleme gelöst werden, dann könnten bald auch in Deutschland die ersten klinischen Studien zur Transplantation von Schweine-Inselzellen beginnen. Die Anstrengungen der Forscher konzentrieren sich hierzulande auf eine gezieltere Unterdrückung der Immunreaktion und die Züchtung genetisch modifizierter Schweine, deren Organe besser vom menschlichen Organismus toleriert werden. Neben Inselzellen könnten Schweine dann eine ganze Reihe weiterer Ersatzorgane wie etwa Herzen und Nieren für den Menschen liefern.

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