Forschung + Innovation
Knochenmark-Stammzellen sind keine „Alleskönner“

Stammzellen aus dem Knochenmark sind nach einer Studie der Universität Bonn nicht die erhofften „Alleskönner“, die gegen zahlreiche Leiden helfen können. Die Zellen können zwar in Muskelfasern einwandern, übernehmen dort aber meist keine Muskelaufgaben.

dpa BONN/WASHINGTON. Stammzellen aus dem Knochenmark sind nach einer Studie der Universität Bonn nicht die erhofften „Alleskönner“, die gegen zahlreiche Leiden helfen können. Die Zellen können zwar in Muskelfasern einwandern, übernehmen dort aber meist keine Muskelaufgaben.

Dies berichtet ein Team um Prof. Anton Wernig in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften („Pnas“; DOI: 10.1 073/pnas.0 502 507 102). Als Ersatz für defekte Muskelzellen eignen sich Knochenmarkstammzellen daher nach Meinung der Mediziner nicht.

Das Knochenmark produziert ständig Stammzellen, aus denen sich beispielsweise die weißen und roten Blutkörperchen bilden, weswegen Wissenschaftler aus den Knochenmarkszellen auch andere Gewebetypen züchten wollen. Nach Darstellung der Universität Bonn gaben für diese Hoffnung einige Studien auch Anlass. So zerstörten Forscher durch Bestrahlung das Knochenmark von Mäusen und ersetzten es durch Zellen, die dank einer hinzugefügten Erbanlage grün fluoreszierten. Im Mäusehirn wurden wenig später grün fluoreszierende Nervenzellen gefunden - was dem ersten Anschein nach der Beweis dafür war, dass sich die im Blut zirkulierenden Stammzellen sogar in Nervengewebe umwandeln können. Damit schien es möglich zu sein, Gewebe durch Stammzellen aus dem Blutstrom reparieren zu lassen.

Selbst Krankheiten wie die Duchenne-Muskeldystrophie (DMD), die sämtliche Muskeln im Körper zerstört, schienen dadurch heilbar. DMD ist bei Jungen die zweithäufigste Erbkrankheit. In einem Tierversuch konnten die Bonner Forscher um den Physiologen Prof. Anton Wernig aber nun nachweisen, dass sich im Muskelgewebe zwar die Stammzellen ansiedelten, aber ohne eine Besserung der Krankheit: Die Zellen produzierten nicht oder nur in sehr geringer Menge ein für den Muskelaufbau wichtiges Protein. Anscheinend sind bei den vom Knochenmark ins Blut abgegebenen Stammzellen viele Gene auf Dauer abgeschaltet, vermutet Wernig: „Meiner Meinung nach wurden viele Studien mit Knochenmarkstammzellen bislang zu optimistisch interpretiert.“

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