Forschung + Innovation
Körpereigene Wachstumsbremse gegen Krebs

Berliner Wissenschaftler haben ein weiteres Selbstschutzprogramm des Körpers gegen Krebs nachgewiesen, das unter anderem die Entwicklung von Lymphtumoren stoppen kann. Mit Hilfe eines Enzyms verhindert das körpereigene Sicherungssystem eine Entwicklung gesunder Zellen zu Krebszellen.

dpa BERLIN/LONDON. Berliner Wissenschaftler haben ein weiteres Selbstschutzprogramm des Körpers gegen Krebs nachgewiesen, das unter anderem die Entwicklung von Lymphtumoren stoppen kann. Mit Hilfe eines Enzyms verhindert das körpereigene Sicherungssystem eine Entwicklung gesunder Zellen zu Krebszellen.

Dies teilten die Berliner Charité und das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin am Mittwoch mit. Die Berliner Forscher um Melanie Braig stellen ihre Entdeckungen zur so genannten Seneszenz im britischen Fachjournal „Nature“ (Bd. 436, S. 660) vor, zeitgleich mit verwandten Arbeiten aus den Niederlanden, Spanien und den USA.

Neben der so genannten Apoptose, bei der sich geschädigte Zellen selbst umbringen, sei damit im Tierversuch der Nachweis für ein zweites Zellschutzprogramm erbracht, betonen die Wissenschaftler. Eine wichtige Rolle bei dieser Seneszenz spielt nach den Erkenntnissen der Berliner Forscher ein Enzym namens Suv39h1. Es tritt unter anderem auf den Plan, wenn ein Krebsgen (ras) in weißen Blutzellen (Lymphozyten) Gene ausschaltet. Das Enzym stoppt dann eine weitere Zellteilung und verhindert so das Heranwachsen bösartiger Tumore.

Die Seneszenz bremst aber offensichtlich nicht nur Lymphkrebs. US-Forscher beobachteten, dass der Schutzmechanismus die Entwicklung von Prostatakrebs bei Mäusen verhinderte. Und niederländische Wissenschaftler konnten zeigen, dass er bestimmte Leberflecken jahrelang in einem gutartigen Stadium halten kann, die ohne diese Funktion die Gefahr von Hautkrebs bergen. Auch ein spanisches Team beschreibt die zelleigene Wachstumsbremse bei Krebsvorstufen.

Fehlt das Enzym, besteht die Gefahr, dass Krebszellen unkontrolliert wachsen und ein aggressiver Tumor entsteht. Mit Hilfe einer Chemotherapie kann sich dann unter Umständen noch das Selbstmordprogramm der Zellen (Apoptose) aktivieren lassen.

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