Kohlendioxid-Abscheidung
Ab unter die Erde

Die Zukunft der Kohlekraftwerke ist heftig umstritten: Bei der Verbrennung entsteht besonders viel Kohlendioxid. Soll der Klimakiller künftig abgeschieden und gespeichert werden? Die EU hält das für den Königsweg. Viele Fachleute und Manager sind skeptisch.

BERLIN. Wenn die Uno am Freitag Teil drei ihres Weltklimaberichts vorstellt, dürfte eine Branche besonders genau hinschauen: die Versorger. Diesmal geht es nämlich um die Frage, wie der Mensch dazu beitragen kann, den Klimawandel zumindest zu bremsen – und damit auch darum, wie in Zukunft noch Kohle zur Stromerzeugung beitragen kann.

Die EU-Kommission plant bereits einen radikalen Einschnitt: In 13 Jahren sollen in Europa nur noch Kohlekraftwerke gebaut werden dürfen, deren CO2-Emissionen abgeschieden und separat eingelagert werden können. Brüssel hat dazu konkrete Vorstellungen. Die Kommission gelangt „auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Daten zu der Auffassung, dass 2020 alle neuen Kohlekraftwerke schon beim Bau mit der Technik zu CO2-Abscheidung und -lagerung versehen werden sollten. Bestehende Anlagen sollten dann schrittweise dem gleichen Konzept folgen.“ So steht es in einer Mitteilung der Kommission an Rat und Parlament aus diesem Januar.

Fachleute bezweifeln, dass dieses Ziel bis 2020 überhaupt verwirklicht werden kann. Denn es gibt derzeit eine Reihe ungelöster Probleme. Technisch ist es durchaus möglich, das Klimagift Kohlendioxid, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle unweigerlich entsteht, abzuscheiden. Doch das drückt den Wirkungsgrad der Kraftwerke, der angibt, wie viel Prozent der in der Kohle gespeicherten Energie tatsächlich zu Strom wird. Zehn Prozentpunkte gehen bei der CO2-Abscheidung verloren. Moderne Kraftwerke mit Wirkungsgraden von über 40 Prozent würde damit wieder auf Effizienzwerte zurückgefahren, wie sie vor Jahrzehnten Standard waren.

„Der Kohlebedarf erhöht sich deutlich. Doch das ist nur ein Problem“, sagt Gabriela von Görne, Klimaexpertin bei Greenpeace. Zusätzlich müssten Pipelinesysteme aufgebaut werden, damit das CO2 zu den Speichern käme. Die Speicher wiederum müssten dauerhaft überwacht werden. „Angesichts dieser Schwierigkeiten sehe ich das EU-Ziel, die CO2-Abscheidung bis 2020 zum Standard zu erheben, sehr kritisch“, sagt von Görne. „Man kann nicht einfach eine Technologie voraussetzen, die derzeit noch gar nicht entwickelt ist.“

Allein der Transport und die Lagerung von CO2 dürften Wissenschaftler, Techniker und Juristen noch auf Jahre hinaus beschäftigen. Im Moment ist nicht einmal klar, ob die unterirdische Einlagerung von Kohlendioxid nach Bergrecht oder nach Abfallrecht zu behandeln ist. „Die Energieversorgungsunternehmen brauchen Rechtssicherheit, wenn sie in die CO2-Lagerung einsteigen sollen. Die ist im Moment nicht gegeben“, sagt Franz May von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Ehe ein verbindlicher Rechtsrahmen besteht, können noch viele Jahre ins Land gehen.

Ungeklärt ist auch die Frage, in welchem Umfang überhaupt Speichermöglichkeiten zur Verfügung stehen. „Da gibt es sehr unterschiedliche Schätzungen. Die Werte über mögliche Kapazitäten hängen sehr stark vom technischen und finanziellen Aufwand ab, den man betreiben will“, sagt BGR-Experte May.

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