Kohlenstoff-Röhrchen
Hartes Material für raue Jungs

Im wilden Gerangel um den Puck geht beim Eishockey schon mal schnell ein Schläger zu Bruch. Doch durch winzige Kohlenstoff-Röhrchen sollen die Sportgeräte künftig nicht nur leichter, sondern auch bruchsicherer werden. Auch der deutsche Chemieriese Bayer will in die Serienproduktion einsteigen.
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FRANKFURT. Als die US-Eishockeyprofis in den 50er-Jahren eine Alternative für ihre Saisonpause suchten, konnten sie nicht ahnen, dass sie damit die Sportgeräte-Industrie in die Welt der Nanomaterialien katapultieren würden. Sie entwickelten „Floorball“, die Sommer-Variante des rauen Eishockeys. Dabei fehlen Schutzausrüstung, Hartgummischeibe und harte Eishockeyschläger. Die Sportler hantierten stattdessen mit leichten Carbon-Schlägern und einem Lochball aus Plastik. Heute ist Floorball, auch Unihockey genannt, in Skandinavien zur eigenen Profisportart geworden.

Ein ständiges Problem: Beim ruppigen Gerangel gingen die Schläger oft zu Bruch. Auf der Suche nach besserem Material bietet sich seit kurzem ein von der Chemieindustrie entwickelter Werkstoff an: Sogenannte „Carbon Nanotubes“ (CNT – Kohlenstoff-Nanoröhrchen) machen Schläger und Bälle leichter und gleichzeitig deutlich stabiler. Diese Eigenschaften könnten nun auch die Geräte in anderen Sportarten drastisch verändern.

Schon jetzt setzen die finnischen Sportartikelhersteller Berner Sports und Exel auf Nanotechnologie. Sie haben Eishockey- und Baseball-Schlägern CNT beigefügt, um eine größere Stabilität beim Schlag zu erzielen. Bei den Baseballschlägern von Berner Sports ist der Name Programm: Der „Goldhammer“ ist mit Kohlenstoffröhrchen veredelt und weist dadurch eine besonders gute Schlagkraft auf. Die Mannschaften in der US-Profiliga dürfen diese Schläger allerdings noch nicht verwenden, weil die Regeln hier als Grundmaterial Holz vorschreiben.

Die Skistöcke von Exel sind dagegen schon erlaubt – und dank Nanotubes 30 Prozent steifer und sechs Prozent leichter als konventionell hergestellte Skistöcke. CNT macht auch Langlaufskier leichter, was Sportler bei den kräftezehrenden Wettbewerben als hilfreiche Marscherleichterung empfinden.

Trotz der großen Durchschlagskraft messen die winzigen Kohlenstoffröhrchen nur 15 Nanometer. Damit sind sie gerade einmal doppelt so groß wie eine DNS-Kette. CNT-Material hat zwar nur ein Viertel der Masse von Stahl, ist aber fünfmal stabiler. Mit den winzigen Röhrchen lassen sich Kunststoffe herstellen, die nach dem Prinzip von Stahlbeton aufgebaut sind. Obwohl es mittlerweile weltweit rund 200 CNT-Produzenten gibt, konnte bisher niemand die Kohlenstoffröhrchen in industriellem Maßstab herstellen. Grund sei die Schwierigkeit gewesen, die winzigen Kohlenstoffröhrchen zu verarbeiten, sagt der CNT-Experte Ivica Kolaric von der Fraunhofer-Technologie-Entwicklungsgruppe (TEG). „Es existierten nur kleine Proben im Labormaßstab.“

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