Komplettservice für Mittelständler
Platz schaffen für Chips

Ausgerechnet im Jahr 2000 wagt die AEMtec GmbH den Schritt in die Selbstständigkeit und trennt sich von der Infineon Technologies AG, um selbständig und hochspezialisiert optische und elektronische Multi-Chip-Module zu entwickeln und zu produzieren.

BERLIN. Beobachter zweifelten damals an der Überlebensfähigkeit des Unternehmens, schließlich hatte der Abschwung der Chip-Branche bereits begonnen. Der Zweifel war unbegründet, wie sich herausstellen sollte. Das Spin-Off-Unternehmen arbeitet vom Start weg profitabel und kann in der Produktion sogar mit asiatischen Herstellern mithalten. Heute ist die Firma mit 130 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Berliner Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof.

Harald Hanne, Diplomphysiker und Geschäftsführer, erklärt das Geschäftsmodell: „Wir setzen die Produktidee des Kunden extrem schnell um und machen sie in großen Stückzahlen marktfähig.“ Während ein großer Produzent vor der Aufgabe zurückschreckt, eine halbfertige Idee zu Ende zu denken, bietet der Mittelständler einen Komplettservice von der technischen Beratung und Planung über das Layout und Design bis hin zum Prototypenbau und der Serienfertigung.

Und dieser Prozess muss möglichst schnell ablaufen. „Time-to-market“ heißt das im Manager-Englisch, Hannes Lieblingsschlagwort. „Innerhalb eines knappen Jahres wird mit den neuen Baugruppen Geld verdient, weil sie von Anfang an ausgereift sind“, behauptet der Geschäftsführer. Dafür sollen die 15 Mitarbeiter in der Abteilung für Prozessentwicklung sorgen. Von Produkten, die jede andere Firma herstellen kann, lässt AEMtec die Finger und konzentriert sich voll auf Innovationen. „Wir verfügen über hochqualifizierte Mitarbeiter mit einer großen Trickkiste, gerade bei der Umsetzung von optischen Anwendungen in die Elektronik“, sagt Hanne. Das ist auch das Erbe der Vergangenheit mit Infineon.

Kerngeschäft ist die so genannte Chip-on-Board-Technik (CoB), ohne die die moderne Mikroelektronik nicht auskommt. Dabei werden diverse Chips ohne Gehäuse möglichst platzsparend direkt auf einen Träger (z.B. Kunststofffolien, Keramik, Glas) aufgebracht. In einem Multi-Chip-Modul lassen sich auch verschiedene Bauteile, etwa Dioden und Laser, auf einer Mikroplatine kombinieren. „So ist es möglich, hochintegrierte Bauelemente mit einer hohen Anschlussdichte in einem Modul zusammen zu bringen“, sagt Hanne. Neben der Platzersparnis ist vorteilhaft, dass verhältnismäßig wenige Kontakte benötigt werden. Etwa 1000 Anschlüsse realisiert AEMtec auf 15 Millimetern.

Die Kunden für diese CoB kommen aus der Daten- und Telekommunikation, der Medizintechnik, dem Automobilbau, der Industrieelektronik und -sensorik sowie der Konsumgüterindustrie. Die Chip-Module finden sich in so unterschiedlichen Endprodukten wie Airbags, Druckmessern, Handys, Digitalkameras, Messgeräten, Receivern und Navigationssystemen.

AEMtec trägt seit 2004 zum Innenleben der Autonavigationssysteme der Bosch-Tochter Blaupunkt bei. „Die Entwickler von AEMtec knien sich in Probleme rein“, sagt Blaupunkt-Facheinkäufer Bernd-Michael Knuth. Blaupunkt hat die Produktion ausgelagert, weil die Stückzahlen zu gering sind, um sie selbst wirtschaftlich herzustellen.

Natürlich stand die Berliner Firma bei der Auftragsvergabe nicht allein zur Wahl. Im deutschsprachigen Raum gibt es etwa 141 ähnliche Anbieter, die aber meist mit einem Jahresumsatz von etwa fünf Mill. Euro deutlich kleiner sind als AEMtec mit 21,5 Mill. Euro Umsatz 2004. AEMtecs Wettbewerbsvorteil sieht Hanne in der Vorarbeit für die Abnehmer: „Das Einsparpotenzial liegt bei 90 Prozent, wenn in der ersten Phase einer Produktentwicklung gleich die Möglichkeit der Fertigung abgeschätzt wird. Denn damit steht und fällt der Preis.“ Schließlich nutze es wenig, an einer Idee jahrelang herumzulaborieren, um am Ende doch nicht die nötige Marktreife zu erlangen.

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