Konkurrenz bereitet sich auf harten Wettbewerb bei neuartigen Fernsehgeräten vor
China und Taiwan greifen mit Flach-TV an

Ab Oktober verkauft der taiwanesische Elektronikriese Sampo Flach-TV-Geräte in Deutschland. Als man das letzte Mal von Sampo hörte, wollte der Konzern gerade den abgewirtschafteten bayerischen Grundig-Konzern retten. Doch statt überalterte Strukturen zu erhalten, entschloss sich Sampo, selber den Markt für Unterhaltungselektronik anzugehen.

DÜSSELDORF. Immer mehr chinesische und taiwanesische Hersteller drängen über den Umweg Computermonitore in den TV-Bereich. Und selbst der US-Computergigant Dell, Marktführer bei LCD-Bildschirmen in Europa, hat angekündigt, seine Machtposition zu nutzen, um in das Wohnzimmergeschäft einzusteigen, ebenso wie Gateway oder Hewlett Packard. Dort stoßen die Newcomer auf erbitterten japanischen und koreanischen Widerstand von Unternehmen wie Sony, Samsung oder Sharp: Panasonic (Matsushita) etwa hat als erklärtes Ziel, bis 2005 rund 30 % des Weltmarktes für flache Fernsehgeräte zu beherrschen. Der Kampf wird eisenhart: „Es wird für noch bestehende europäische Anbieter sehr schwierig“, ahnt Gerard Kleisterlee, Vorstandschef der Royal Philips Electronics, TV- Marktführer in Deutschland: „Für TV-Röhren gab es eine europäische Infrastruktur. Für Flat-Panels gibt es die nur noch in Asien“. Philips hat bei LCD-Panels ein Joint Venture mit der koreanischen LG- Gruppe.

Alf Bruchmann backt derweil erst einmal ganz kleine Brötchen: Er wäre froh, wenn er bis Jahresende 1 000 Sampo-LCD-Fernseher an den Mann und die Frau bringen könnte. Der General Manager Deutschland, Österreich, Schweiz der Sampo Technologies B.V. steht hier noch am Anfang. Anders als bei Computermonitoren: Rund 100 000 Einheiten hat der preisagressive Anbieter laut Bruchmann in Deutschland letztes Jahr verkauft, davon 80 % Flachschirme. 2001 waren es noch 50 %.

Produziert werden die Fernseher, – wie Bruchmann betont, keine „Monitore mit TV-Box“ wie heute schon üblich – auf dem chinesischen Festland. 2004 sollen ein 23-Zoll-Gerät und ein 30-Zoll-Fernseher dazukommen. „Computer und Unterhaltungselektronik wachsen zusammen“, sagt Bruchmann. „Da wollen wir dabei sein“.

Das will auch Monitorproduzent AOC, der zur Top Victory Group gehört. „Wir werden spätestens nächstes Jahr in den Fernsehbereich einsteigen“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Oliver Ahrens, Geschäftsführer von Acer Deutschland, zieht mit: „Acer wird 2004 große Displays mit TV-Funktionalität einführen. Wir finden den Markt hochinteressant.“ Acer Inc. hat weltweit im 1. Halbjahr 2003 rund 1,8 Mrd. $ mit Notebooks, Monitoren und PCs umgesetzt.

Die Monitor- und Computerhersteller folgen nur ihren chinesischen Kollegen aus der Unterhaltungsbranche: Der TCL-Konzern, mit einem Umsatz von umgerechnet 2,5 Mrd. Euro einer der größten chinesischen Anbieter, hat die insolvente deutsche Schneider AG übernommen, um den Markennamen zu bekommen. Auf der diesjährigen Ifa zeigte Schneider eine neuen Generationen von LCD-TVs mit chinesischer Handschrift.

Der TV-Hersteller Konka im südchinesischen Shenzhen hat schon Ende 2002 Europa als Ventil für Überkapzitäten entdeckt: Konka hat im südchinesischen Guangdong eine Fabrik mit einer Jahreskapazität von 4 Millionen klassischen Röhren-TV–Geräten für den Export hochgezogen. Seit Europa im Herbst 2002 einen Bann auf Fernsehgeräte aus China beendete, lohnt sich der Export. „Europa wird eine unserer zentralen Umsatzquellen sein“, kündigte Hou Songrong, Präsident von Konka, an.

Der deutsche Markt spielt dabei eine wichtige Rolle. Die europäischen Gesamtausgaben für Unterhaltungselektronik beliefen sich 2002 nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) auf 39,3 Mrd. Euro, davon rund 9 Mrd. Euro nur für TV-Geräte. England und Deutschland teilen sich hier mit je 23 % die Spitzenposition, vor Frankreich mit 18 % und Italien mit 12 %.

Dabei beschleunigt sich der Absatz der Flachmäner zusehends. 2002 wuchs der Absatz von Plasma-TV in Deutschland um 100 % auf rund 10 000 Geräte, der von LCD-Bildschirmen um 62 % auf 13 000 Stück. Was den Computerneulingen noch fehlt, ist oft der Zugang zum klassischen Fachgeschäft für Unterhaltungselektronik. Aber das ist wohl eher eine Frage der Zeit hoffen die einen – und fürchten die anderen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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