Konkurrenzfähiger Biosprit
Benzin aus Holz erobert die Zapfsäule

Billig Tanken mit Stroh, Holz und Zuckerrohr – dieses Szenario rückt in greifbare Nähe. Deutsche Forscher entwickeln neue Verfahren, mit denen sie beliebige Biomasse möglichst effizient in Benzin und Diesel umwandeln wollen.

DÜSSELDORF. Die Entwickler am Forschungszentrum Karlsruhe und in der sächsischen Firma Choren sind überzeugt: Ihre Innovationen verhelfen nachwachsenden Rohstoffen auch an der Zapfsäule zur Wettbewerbsfähigkeit.

Für Eckhard Dinjus, Leiter des Instituts für Technische Chemie des Forschungszentrums Karlsruhe, ist die dezentrale Vorverarbeitung des Rohstoffs der wichtigste Vorteil seines Verfahrens. Bislang scheitere die Nutzung von Biomasse daran, dass diese auf große Flächen verteilt ist, und der Transport zu einer zentralen Anlage zu teuer ist. Die Karlsruher verarbeiten die Rohstoffe in einem ersten Prozessschritt vor Ort und erhöhen die Energiedichte dadurch um das zehnfache. Anstatt voluminöse Strohballen oder Langholz zu transportieren, befördern sie ein komprimiertes flüssiges Konzentrat in Tankwagen zur Großanlage.

Ein weiterer Pluspunkt: Mit den neuen Verfahren können nicht nur Ölfrüchte wie Raps oder Nahrungsmittel wie Zuckerrohr verwendet werden, sondern auch andere nachwachsende Rohstoffe. Diese könnten bald über zehn Prozent des heutigen Kraftstoffbedarfs für den Verkehr in Deutschland decken, schätzt das Forschungszentrum Karlsruhe. Bisher hat Biodiesel nur eine geringe Bedeutung: 1,9 Mill. Tonnen flossen im vergangenen Jahr durch die Zapfhähne. Zum Vergleich: Der Rohölverbrauch lag bei gut 100 Mill. Tonnen.

Für die Umwandlung nutzen die Forscher die so genannte Pyrolyse: Dabei wird Biomasse extrem erhitzt, um den Rohstoff in seine molekularen Bausteine zu zerlegen. Als Zwischenprodukt entsteht ein Gas, das zu Diesel weiterverarbeitet wird. In der Karlsruher Pilotanlage soll der gesamte Prozess von der Erzeugung der Biomasse bis zur Auslieferung an der Tanksäule abgebildet werden.

Eine zentrale Rolle spielt dabei eine neue Schnellpyrolyse: Bei 500 GradCelsius entstehen im Mischreaktor aus der Biomasse Pyrolyseöl und Pyrolysekoks. Beides wird zu einer Suspension gemischt, die gepumpt, transportiert und zerstäubt werden kann. Die Energiedichte dieses so genannten „Slurrys“ ist mit Rohöl vergleichbar.

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