Kopfhörerverstärker
Ganz neue Töne dank Kopfhörerverstärker

Kopfhörerverstärker? Wer braucht denn so etwas? Norbert Lehmann schüttelt verständnislos den Kopf. Der Toningenieur weiß: Wer Musik hört, der hört auch störendes Rauschen. Mit Kopfhörerverstärkern bringt der audiophile Tüftler nur das ins Ohr, was auf dem Tonträger ist.
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Norbert Lehmann gehört einer selten gewordenen Spezies an. Er ist ein Audiophiler. Solche Zeitgenossen hören noch immer Schallplatten und suchen nach deren möglichst perfekten Klang. Audiophile erkennt man daran, dass sie einen großen Teil ihres verfügbaren Einkommens in ihre Anlage stecken.

Im Wohnzimmer des kräftigen Mannes mit Vollbart stehen mannshohe Lautsprecher, dazwischen eine Schrankwand mit Plattensammlung, Verstärker, Vorstufe, und über allem thront ein beeindruckend großer Plattenspieler aus Acrylglas. Die Anlage sei so viel wert wie eine gute Küche, sagt Lehmann. "Das war eigentlich auch vor 20 Jahren so, nur dass die Ansprüche gewachsen sind - nicht nur an die Küchenausstattung."

Klar, dass Lehmann die jugendlichen Hörgewohnheiten von heute nicht versteht. Die MP3-Generation wüsste gar nicht mehr, wie Musik klingen könne, sagt der 46-Jährige. In seinem Haus in Bergisch Gladbach hat Lehmann den Generationenkonflikt auf die väterliche Tour gelöst. Er stellte dem 16-jährigen Sohn eine ordentliche Hi-Fi-Anlage in die Bude. "Vorher klang Musik aus dem Zimmer so, als habe jemand eine Decke über die Boxen geworfen und die Musiker seien eingeschlafen."

Lehmanns Missionstätigkeit für die bessere Genießbarkeit von Musikkonserven reicht weit übers Kinderzimmer hinaus. Der diplomierte Toningenieur hat sein Hobby des Musikhörens zum Beruf gemacht und entwickelt seit 1988 unter dem Namen Lehmannaudio hochwertige Geräte für die Studio- und Hi-Fi-Technik. Rund zwei Drittel seiner Verstärker, die bis zu 3000 Euro kosten, gehen ins Ausland. Das jüngste Produkt seiner Ein-Mann-Firma ist der 350 Euro teure Kopfhörerverstärker "Rhinelander", eine unscheinbare schwarze kleine Box mit genau einem Schalter, einem Lautstärkeregler und einem Kopfhörerausgang.

Kopfhörerverstärker? Wer braucht denn so etwas? Lehmann schüttelt verständnislos den Kopf. Ein Kopfhörerverstärker habe die Aufgabe, genau das an das Ohr zu bringen, was auf der Quelle gespeichert sei. "Und das leistet bei Weitem nicht jeder Verstärker, der hinter einer Kopfhörerbuchse sitzt." Ein Hörtest zeigt: Auch wenn der Klang unter einem Kopfhörer nicht die große Bühne malen kann wie ein Lautsprecherpaar - das gewohnte Rauschen und Verzerrungen sind nicht auszumachen.

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