Kosmodrom Wostotschny

Putins Weltraumbahnhof wird zum schwarzen Geldloch

Erfolgsmeldungen über Wostotschny sind rar. Erst eine Rakete startete von dem Kosmodrom, das eigentlich schon 2015 fertig sein sollte. Jetzt droht dem Prestigeprojekt der russischen Raumfahrt ein neuer Finanzskandal.
Nach dem Start im vergangenen April werden erst wieder 2017 Raketen vom neuen Kosmodrom aus ins All fliegen. Quelle: Reuters
Start der ersten Rakete vom Weltraumbahnhof Wostotschny

Nach dem Start im vergangenen April werden erst wieder 2017 Raketen vom neuen Kosmodrom aus ins All fliegen.

(Foto: Reuters)

MoskauNeuer Skandal um den Weltraumbahnhof Wostotschny in Russlands Fernem Osten: Dem staatlichen Bauunternehmen Spezstroi fehlen umgerechnet 100 Millionen Euro, um die erste Ausbaustufe des Kosmodroms fertig zu stellen. Die Raumfahrtagentur Roskosmos will kein Geld nachschießen. Die rechtzeitige Inbetriebnahme ist damit in Gefahr – es wäre nicht der erste Verzug.

Wostotschny ist ein Projekt nationaler Größenordnung. 2007, als die russische Wirtschaft dank hoher Ölpreise boomte, wurden die Planungen angeschoben. Russland wollte sich unabhängig machen von Kasachstan, auf dessen Territorium seit dem Zerfall der Sowjetunion das bekannte Sternenstädtchen Baikonur liegt. Die Pacht für diesen Raketenstartplatz kostet Russland jährlich 300 Millionen Dollar.

Raketen-Feuertaufe und ein Autogramm vom Präsidenten
Start der Sojus-2.1a
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Nach sechs Jahren Bauzeit und mehreren Pannen hat Russland erstmals eine Rakete von seinem neuem Weltraumbahnhof Wostotschny ins All gestartet. Das russische Staatsfernsehen zeigte am Donnerstag, wie die Sojus-2.1a mit drei Forschungssatelliten an Bord um 4.01 Uhr MESZ (11.01 Uhr Ortszeit) nahe der chinesischen Grenze abhob.

Präsident Wladimir Putin
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„Das ist ein bedeutender Schritt in der Entwicklung der russischen Raumfahrt“, sagte Präsident Wladimir Putin nach der Premiere. Der Kremlchef war aus dem rund 8000 Kilometer entfernten Moskau zum Erststart angereist. Ursprünglich sollte die Rakete schon am Mittwoch abheben, ein technischer Defekt verhinderte dies aber.

Transport der Sojus-2.1a zum Startplatz
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Zu Ehren des russischen Raumfahrtpioniers Juri Gagarin hatten die Hersteller die Sojus mit einem riesigen Konterfei des ersten Menschen im All verziert. Das Porträt des Kosmonauten, der vor 55 Jahren – am 12. April 1961 – gestartet war, klebte als blau-weißes Logo auf der Außenwand der Rakete (l.) und auf dem Versorgungsturm, in dem die Sojus auf den Start vorbereitet wurde.

Flug auf 500 Kilometer Höhe
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Sicherheitskräfte beobachteten mit Mi-8-Hubschraubern und Drohnen den Aufstieg der Rakete. Die Sojus flog zunächst über das kaum besiedelte Nordsibirien und setzte dann rund 500 Kilometer über der Erde die drei Satelliten aus.

Gespannte Aufmerksamkeit
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Bei plus zwölf Grad Celsius und Sonnenschein verfolgte Putin das Abheben der Sojus gemeinsam mit Russlands Raumfahrtchef Igor Komarow (r.) und dem für Kosmonautik zuständigen Vizeregierungschef Dmitri Rogosin (sitzend neben Putin).

Wladimir Putin vor der Startrampe
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„Es gibt noch viel zu tun“, sagte der Präsident danach in einer kurzen Rede an das Bedienungspersonal. Mit dem Start fange die Arbeit erst an. In Wostotschny ist bisher erst eine der geplanten sieben Startrampen betriebsbereit.

Nächster Start erst 2017
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Von dem Gebiet am Amur-Fluss sollen bis 2030 erstmals Kosmonauten zum Mond und später zum Mars fliegen. „Für 2017 planen wir zwei und für 2018 sechs Starts“, sagte Komarow.

Seit 2012 laufen die Bauarbeiten an Wostotschny, die allerdings schnell ins zeitliche Hintertreffen gerieten. Mehrere Korruptionsskandale erschütterten das Projekt. Bauarbeiter streikten wegen ausbleibender Gehälter, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Versickerns riesiger Summen, wobei die offiziellen Zahlen zwischen fünf und 16 Milliarden Rubel (70 bis 230 Millionen Euro) schwanken. Der ursprüngliche Eröffnungstermin 2015 war deswegen schon vor langer Zeit aufgegeben worden.

Im vergangenen April konnte schließlich die erste Sojus-Rakete vom neuen Weltraumbahnhof starten –  im Beisein von Kremlchef Wladimir Putin, der zuvor wiederholt seinen Unmut über die Verzögerungen bei dem Prestigeprojekt artikuliert hatte. Der Start glückte, wenn auch erneut erst mit einem Tag Verspätung, weshalb es statt der erhofften Auszeichnungen nur Verweise für eine Reihe von Funktionären aus dem Raumfahrtsektor gab.

Fertig ist die erste Ausbaustufe nach dem Abschuss ohnehin noch nicht. Erst elf von 20 Objekten sind in Betrieb. Bis 31. Oktober sollen die übrigen übergeben werden – weitere Raketenstarts sind erst 2017 geplant.

Doch der Übergabetermin ist nun durch neue Probleme in Gefahr. Die für den Bau verantwortliche Holding Spezstroi hat bei Roskosmos weitere sieben Milliarden Rubel (100 Mio. Euro) angefragt, um weiterarbeiten zu können. Zum Vergleich: Bislang (Stand Mai) wurden für den Bau bereits 84 Milliarden Rubel (1,2 Mrd. Euro) ausgegeben.

Bei Roskosmos ist man alles andere als begeistert über die unerwartete Preiserhöhung. Zahlen will die Raumfahrtagentur nicht: „Alle Mittel für die Objekterrichtung der ersten Ausbaustufe Wostotschnys wurden dem Generalauftragnehmer bereits zur vereinbarten Zeit überwiesen“, wies ein Roskosmos-Sprecher das Ansinnen nach mehr Geld kühl zurück.

„Es werden Köpfe rollen“
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