Kosmonautin Jelena Serowa Quotenfrau für die Raumstation 

Russlands Raumfahrt hat eine erbärmliche Frauenquote – erst drei Kosmonautinnen hat man bislang ins All geschickt. Mit ihrem Flug zur Raumstation ISS könnte Jelena Serowa zu einem der dringend gesuchten Vorbilder werden.
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2006 wurde Jelena Serowa ins russischen Kosmonauten-Team aufgenommen. Jetzt fliegt sie als erste Russin zur Raumstation ISS. Quelle: dpa

2006 wurde Jelena Serowa ins russischen Kosmonauten-Team aufgenommen. Jetzt fliegt sie als erste Russin zur Raumstation ISS.

(Foto: dpa)

BerlinFür Kreml-Chef Nikita Chruschtschow war es ein Beleg für die „Gleichberechtigung der Geschlechter im Sozialismus“, als im Juni 1963 die Russin Valentina Tereschkowa als erste Frau überhaupt ins All flog. 50 Jahre später ist die russische Raumfahrt von diesem Anspruch etwa so weit entfernt wie der Mond von der Erde. Unter den mehr als 100 Raumfahrern, die Russland bislang ins All schickte, befanden sich gerade einmal drei Frauen.

Kosmonautin Jelena Serowa schickt sich nun an, diese Bilanz ein wenig zu verbessern: Am Donnerstag startet ein Sojus-Raumschiff, das sie als erste russische Frau zur Raumstation ISS bringen wird.

Gut fünf Monate lang soll sie gemeinsam mit fünf Kollegen die Geschäfte auf der ISS führen, unter anderem an der Seite des deutschen Astronauten Alexander Gerst, der noch bis Mitte November im All bleiben wird. „Ich freue mich auf den Flug, aber ich fühle auch die große Verantwortung“, sagt die 38-Jährige, die aus der Provinzstadt Ussurijsk stammt, weit im Osten Russlands nahe der chinesischen Grenze.

Alkoholverbot und ein sündhaft teures Kosmos-Klo
Internationale Raumstation (ISS)
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Was macht die Besatzung eigentlich die ganze Zeit?

Ein normaler Tag auf der ISS beginnt mit einer Morgentoilette mit feuchten Tüchern, denn eine Dusche gibt es nicht. Nach einem meist bescheidenen Frühstück widmet sich die Crew der Forschung sowie der Pflege der Bordanlagen – mit der Faustregel, dass viele Arbeiten im All doppelt so lange dauern wie auf der Erde. Je nach Tagesprogramm stehen zwei Stunden Fitness auf dem Plan, etwa das Strampeln auf Standfahrrädern, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken. Freizeit gibt es kaum während der sechs Monate im All. „Jede Sekunde ist verplant, man hechelt fast dem Plan hinterher“, sagt Kosmonaut Sergej Wolkow.

Internationale Raumstation (ISS)
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Könnten die Experimente auch ohne Crew funktionieren?

Theoretisch könnten Raumfahrer durchaus Bakterienkulturen oder Materialproben kurz zur ISS bringen und nach einigen Monaten wieder abholen. Das würde den Kritikern der Station gefallen, die die ständige Anwesenheit einer mehrköpfigen Mannschaft als überflüssig und teuer monieren. Der US-amerikanische Chef des ISS-Programms, Michael Suffredini, warnt aber vor einer längeren Abwesenheit von Raumfahrern. Immer wieder seien Probleme bei den Experimenten aufgetreten, die nur von Astronauten an Bord gelöst werden könnten. Sollte die ISS tatsächlich nach 2020 verschrottet werden, wollen die Partner aber stattdessen kleinere unbemannte Labore im All betreiben.

The Soyuz TMA-09M capsule carrying the International Space Station (ISS) crew of U.S. astronaut Karen Nyberg, Russian cosmonaut Fyodor Yurchikhin and
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Wie retten sich die Raumfahrer im absoluten Notfall?

Aus einem Brand 1997 auf der mittlerweile versenkten russischen Raumstation Mir haben die ISS-Betreiber nach eigenen Angaben viel gelernt. Die Station durchziehen mittlerweile Sprinklersysteme mit Kohlenstoffdioxid und Schaum, die notfalls Flammen löschen sollen. Zudem können Schleusen zwischen den Forschungsmodulen geschlossen werden. Als „Rettungsboote“ bei einer Evakuierung fungieren die Sojus-Kapseln, die an der Station angedockt und für die reguläre Rückkehr von Raumfahrern zur Erde gedacht sind. Der Platz ist knapp bemessen: Drei Menschen passen in eine Sojus.

Thomas Reiter in der ISS
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Alkoholverbot im All: Das ist doch nur ein Mythos, oder?

Offiziell gilt auf der ISS die Null-Promille-Grenze – zum Verdruss mancher Raumfahrer. „Zwei Gläser Wein täglich, wie bei U-Boot-Matrosen, würden das Leben an Bord komfortabler machen“, sagt etwa der Kosmonaut Salischan Scharipow. Experten warnen aber: Alkohol wirke im All viel stärker, weil der Körper in der Schwerelosigkeit Substanz abbaut. „Im Kosmos muss man alle Sinne beisammen haben“, sagt der deutsche Raumfahrer Thomas Reiter (im Bild 2006 auf der ISS). Die Alkoholregelung sei aber eher Richtlinie als Verbot. „Es gibt hin und wieder Anlässe, bei denen ein kleiner Tropfen dazu gehört...“, räumt Reiter ein.

Toilette der Internationalen Raumstation ISS
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Wie funktioniert eigentlich die Toilette an Bord der ISS?

Wegen der Schwerelosigkeit müssen Raumfahrer ihre Beine an der Toilette festklemmen. Was auf der Erde mit Wasser weggespült wird, saugt Unterdruck zunächst in einen 20-Liter-Behälter. Von dort werden die Stoffe weitergepumpt in leere Wassertanks des angedockten „Progress“-Raumtransporters, der als Müllcontainer dient. Der Frachter wird später zum Absturz gebracht und verglüht in der Atmosphäre. Das rund 14 Millionen Euro teure Kosmo-Klo der ISS kann zudem Urin zu Trinkwasser aufbereiten. Dies sei aber nur für den Notfall gedacht und bei den Raumfahrern „nicht besonders beliebt“, sagt der Ex-Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin.

Im 10.000 Kilometer entfernten Moskau absolvierte sie ihr Studium zur Luftfahrtingenieurin, dort, beim Raketenbauer Energija, traf sie auch ihren späteren Ehemann Mark. Der Testflieger gehörte zeitweise zum russischen Kosmonauten-Corps, flog aus gesundheitlichen Gründen aber selbst nie ins All. Dank seiner Erfahrungen wusste Jelena sehr genau, worauf sie sich einließ, als sie 2006 in das russische Kosmonauten-Programm aufgenommen wurde: „Ich konnte genau prüfen, ob ich so etwas auch tun möchte.“

An weiblichen Vorbildern konnte sich die angehende Kosmonautin dagegen kaum orientieren: Fast zwei Jahrzehnte dauerte es, bis nach Tereschkowa wieder eine Russin ins All flog – Swetlana Sawizkaja im Jahr 1982. Jelena Kondakowa komplettiert das Trio der bisherigen Kosmonautinnen mit ihrem Raumflug 1997. Zum Vergleich: Die zweite Weltraum-Großmacht USA hat bislang fast 50 Frauen ins All befördert.

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