Kraft-Wärme-Kopplung
Briten setzen auf den grünen Heizkessel

Ab dem kommenden Jahr wird das Energiesparen für viele Briten einfacher: Das Versorgungsunternehmen British Gas will seinen Kunden ab Jahresbeginn ei-nen neuartigen „grünen“ Heizkessel anbieten, der besonders energieeffizient arbeitet und so die Umwelt schont. Das neue Gerät funktioniert mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Es erhitzt nicht nur Wasser, sondern erzeugt gleichzeitig auch Strom.

LONDON. Der Vorstoß des größten britischen Gasversorgers wird der noch jungen KWK-Technik neuen Schub verleihen, prophezeien Experten. Zwar gibt es schon seit mehreren Jahren Geräte, die neben Wärme auch Strom erzeugen. Doch den Durchbruch zum Massenmarkt hat die Technik bisher nicht geschafft.

„Die meisten Anbieter sind relativ kleine Unternehmen, die kein aufwendiges Marketing betreiben können", begründet Klaus Huhn, Analyst der Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Das will der Energieriese British Gas, der zur Centrica Plc. gehört, jetzt ändern und den umweltschonenden Heizkesseln an möglichst viele Kunden verkaufen.

Heizgeräte, die neben warmem Wasser auch Strom erzeugen, haben alle die gleiche Zielsetzung: Sie sollen die im Erdgas enthaltene Energie effizienter als bisher nutzen. Gehen bei der herkömmlichen Heiztechnik oft 30 % der ursprünglichen Energie ungenutzt verloren, sind es mit den neuen Anlagen nur noch rund 10 %. „Unsere Kunden können auf diesem Weg dazu beitragen, die CO2-Emission zu senken“, sagt British-Gas-Sprecher Richard Dymond. Pro Jahr soll jeder der neuen Heizkessel den Ausstoß von Kohlendioxid um 1,5 Tonnen reduzieren, so der Gasversorger.

Der Heizkessel von British Gas arbeitet mit einem Stirling-Motor. Dieser wird von der Hitze der Gasflamme angetrieben und erzeugt über einen Generator elektrische Energie. Mit den noch heißen Abgasen aus der Verbrennung erhitzt das Gerät dann in einem Wärmetauscher das Wasser. Sollte die Anlage einmal mehr Strom erzeugen als der Haushalt gerade verbraucht, wird die überschüssige Spannung in das öffentliche Netz geleitet.

Entwickelt wurde das energiesparende Heizgerät von dem britischen Unternehmen Microgen Energy Ltd. Bis zum Herbst soll es noch letzte Tests durchlaufen. Die Entwickler haben den Heizkessel genau auf die britischen Verhältnisse abgestimmt. Da auf der Insel in Mehrfamilienhäusern meist jede Wohnung ihren eigenen Boiler hat, ist das neue Gerät wesentlich kleiner als viele der bisher angebotenen kompakten KWK-Anlagen. „Es kann im Austausch gegen vorhandene Heizkessel selbst in kleinen Mietwohnungen installiert werden“, verspricht British-Gas-Sprecher Dymond.

Die in Deutschland angebotenen Anlagen, wie etwa der „Dachs“ der Schweinfurter Senertec GmbH, sind meist so groß wie eine Waschmaschine und werden daher in der Regel im Keller aufgestellt. Sie haben im Vergleich zum britischen Gerät allerdings eine höhere Leistung und sind in der Regel für die gleichzeitige Versorgung mehrerer Etagen konzipiert.

Die britischen Wohnungsbesitzer müssen für den neuen KWK-Heizkessel zunächst einmal tief in die Tasche greifen: 2 000 Pfund (rund 2 850 Euro) soll das Gerät nach jetzigen Planungen des Unternehmens kosten. Herkömmliche Heizkessel dagegen kosten nur 600 Pfund.

Doch der Dienst an der Umwelt könnte sich langfristig dennoch lohnen. British Gas verspricht seinen Kunden eine hohe jährliche Ersparnis durch eine niedrigere Stromrechnung, weil ein Großteil des Stromverbrauchs im Haushalt durch die eigene Produktion abgedeckt wird. Pro Jahr soll ein britischer Haushalt so im Durchschnitt 150 Pfund weniger ausgeben. Die Investition rentiert sich demnach innerhalb von vier Jahren.

British Gas hat zwar noch keine Marktforschung unter seinen Kunden betrieben, doch das Unternehmen erwartet eine rege Nachfrage nach dem neuen umweltschonenden Heizkessel. Spätestens im Jahr 2010 will der Versorger jährlich rund 200 000 der KWK-Geräte verkaufen – das entspricht etwa 15 % des Gesamtmarktes auf der Insel.

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