Krebsdiagnose
Farbstoff markiert Hirntumor

Hoffnung für Patienten, die von einer seltenen, aber umso gefährlicheren Krebsart betroffen sind: Der Zellfarbstoff Gliolan kann Hirntumore kennzeichnen und erhöht so die Therapiechancen. Doch das ist nicht einmal das einzige Anwendungsgebiet des Mittels.

BERLIN. Der bösartige Hirntumor Gliom gehört mit weltweit etwa 30 000 Neuerkrankungen pro Jahr zwar zu den seltenen Krebsarten. Doch im Vergleich mit anderen Tumoren hat er eine besonders schlechte Prognose und ist schwierig zu operieren, da er stark in das gesunde Hirngewebe einwächst. Ein neues Mittel, das der Patienten vor der Operation einnimmt und die Krebszellen unter speziellem Licht rot leuchten lässt, könnte die Operationsergebnisse nach Meinung von Experten deutlich verbessern. Die europäische Arzneimittelbehörde Emea hat den Gliolan genannten Zellfarbstoff, der sich im Tumor anreichert, jetzt zugelassen.

Mit dem Farbstoff kann der Operateur den Krebs gründlicher entfernen. Das ist bei bösartigen Hirntumoren besonders schwierig, weil die Grenzen zwischen Krebsgewebe und gesundem Hirngewebe nur sehr schwer auszumachen sind. Mit fatalen Folgen für den Patienten: „Je mehr Krebsgewebe zurück bleibt, desto geringer ist der Behandlungserfolg", erklärt Walter Stummer, stellvertretender Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik Düsseldorf.

Andere Methoden, um den Tumor während der Operation besser sichtbar zu machen, haben sich bislang als wenig praktikabel erwiesen. Die Neuronavigation, bei der vor der Operation im Magnetresonanz-Tomografen (MRT) dreidimensionale Bilder vom Gehirn aufgenommen werden, die dann während der OP der Orientierung dienen, habe sich als wenig verlässlich herausgestellt, erklärt der Neurochirurg. Denn sobald der Operateur die Schädeldecke öffnet, fällt das Gehirn in sich zusammen und ändert seine Form. In gut ausgestatteten Spezialkliniken kann man zwar auch während der Operation MRT-Aufnahmen machen, um noch verbleibendes Tumorgewebe sichtbar zu machen. Diese Methode ist jedoch umständlich, teuer und nicht flächendeckend verfügbar.

Das Verfahren mit Gliolan ist dagegen wesentlich weniger aufwändig. Um den Tumor zum Leuchten zu bringen, trinken die Patienten wenige Stunden vor der Operation eine Lösung des Wirkstoffs. Die Substanz reichert sich sehr spezifisch in solchen Zellen an, die schnell wachsen, vor allem also in Krebszellen. Betrachtet der Operateur das Hirn anschließend im blau-violetten Licht speziell ausgestatteter Operationsmikroskope, leuchtet der Tumor rot, das gesunde Gewebe erscheint dagegen blau. „So werden die Tumorgrenzen sehr deutlich sichtbar“, sagt Stummer.

Mit der Methode verbessere sich die Prognose der Patienten. „Nach einem halben Jahr zeigten 40 Prozent der Patienten noch keine Anzeichen auf ein erneutes Fortschreiten des Tumors“, fasst der Mediziner die Ergebnisse der von ihm geleiteten klinischen Zulassungsstudie zusammen. Mit den Standardmethoden lasse sich der Tumor bei lediglich 20 Prozent der Patienten über denselben Zeitraum in Schach halten. Die durchschnittliche Überlebensdauer stieg durch die bessere Operation zwar nur um 2 Monate, dieser relativ geringe Zugewinn sei aber durch eine bessere Kombination des neuen Verfahrens mit modernen Methoden der Nachbehandlung ausbaufähig, ist Stummer überzeugt.

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