Krebsforschung
Zelltherapie bekämpft Tumore

Ein Berliner Unternehmen hat eine schonende Methode zur Behandlung von Karzinomen entwickelt: Krebszellen können als Heilmittel eingesetzt werden, wenn man sie mit Botenstoffen behandelt oder gentechnisch verändert. Sie sollen dem Immunsystem beibringen, Tumore zu bekämpfen.

BERLIN. Die Berliner Firma Mologen hat für eine solche therapeutische Impfung eine Zelldatenbank mit verschiedenen Krebszell-Linien aufgebaut. Vor der Behandlung werden die Zellen gentechnisch verändert und durch Bestrahlung teilungsunfähig gemacht. Für die Anwendung der Methode gegen das Nierenzellkarzinom hat Mologen jetzt von der Europäischen Arzneimittelbehörde Emea den „Orphan Drug Status“ erhalten. Das bedeutet, dass die Behörde die Firma bei der Planung klinischer Studien unterstützt und ihr für zehn Jahre die exklusiven Vermarktungsrechte sichert. Nun muss Mologen in klinischen Studien die Wirksamkeit des Mittels unter Beweis stellen.

Dafür, dass das Immunsystem Tumore prinzipiell bekämpfen kann, gibt es handfeste Beweise, so Christof von Kalle vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg: „Immer wieder beobachten Mediziner eine spontane Heilung von Krebs, die nur durch das Immunsystem zu erklären ist.“ Auch nach einer Knochenmarkstransplantation bei Patienten mit Blutkrebs richte sich das Immunsystem häufig mit erneuter Kraft gegen den Krebs. Beides lasse sich als „proof of principle“, also als Beweis für die Machbarkeit der Immuntherapie mit Zellen verstehen. Viele Firmen versuchen deshalb, eine therapeutische Impfung gegen Krebs zu entwickeln, indem sie isolierte Eiweiße, so genannte Antigene, als Arznei verabreichen, die ausschließlich auf der Zelloberfläche von Tumorzellen vorkommen. Ein zugelassenes Medikament ist daraus bislang nicht entstanden. „Es stellt sich die grundsätzliche Frage, ob ein einzelnes Antigen eine ausreichende Immunreaktion hervorrufen kann, um Krebs zu heilen“, so Christof von Kalle.

Mologen verwendet anstelle eines einzelnen Antigens die gesamte Krebszelle. Nach einer gentechnischen Veränderung produzieren die Zellen Zytokine – Botenstoffe, die die Zellen für das Immunsystem als Feind erkenntlich machen. So wird die Zelle zu einer Art Fahndungsfoto für die körpereigene Immunpolizei.

Etwa 50 Patienten mit Nierenzellkarzinom, Dickdarmkrebs oder Brustkrebs wurden bislang mit der Zelltherapie behandelt. „Die Daten weisen auf eine gute Wirksamkeit hin, ernsthafte Nebenwirkungen gab es nicht“, sagt Matthias Schroff, Produktentwickler und Vorstand bei Mologen. Allerdings fehlt eine systematische Studie mit einer unbehandelten Gruppe, die einen direkten Vergleich erlaubt. Auch bedarf es einer höheren Patientenzahl, um statistisch gesicherte Aussagen zur Wirkung der Therapie zu treffen. Momentan plant Mologen nach eigenen Angaben umfangreiche klinische Studien. „Die erste wird voraussichtlich Ende des Jahres beginnen“, sagt Schroff.

Seite 1:

Zelltherapie bekämpft Tumore

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%