Forschung + Innovation
Krebsmedikament hilft auch bei Herz-Lungen-Erkrankungen

Moderne Krebsmittel können nach Erkenntnissen Gießener Forscher auch Patienten mit schweren Herz-Lungen-Erkrankungen helfen: Mit einem Tumormedikament ist es den Medizinern erstmals gelungen, gefährliche Verdickungen in der Wand von Blutgefäßen und Atemwegen aufzulösen.

dpa GIEßEN. Moderne Krebsmittel können nach Erkenntnissen Gießener Forscher auch Patienten mit schweren Herz-Lungen-Erkrankungen helfen: Mit einem Tumormedikament ist es den Medizinern erstmals gelungen, gefährliche Verdickungen in der Wand von Blutgefäßen und Atemwegen aufzulösen.

Dies berichtete Prof. Friedrich Grimminger am Donnerstag. „Die Gefäße werden wieder dünn und dehnbar.“ Der Wirkstoff Imatinib könne daher Leiden wie Bluthochdruck, Arteriosklerose, Lungenhochdruck oder Lungenfibrose bessern.

Über den überraschenden Nebeneffekt des Krebsmedikaments berichten die Wissenschaftler des Gießener Tumorzentrums in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts „New England Journal of Medicine“ (Bd. 353, S. 1 412). Bei den betroffenen Herz-Lungen-Erkrankungen kommt es zur unkontrollierten Zellwucherung in den Wandschichten von Gefäßen - wie bei einer Narbenbildung. Die Verdickung hat eine schleichende Verengung der Adern oder kleinen Bronchien zur Folge. Bisher war es nicht möglich, die einmal entstandenen Wandverdickungen wieder abzubauen.

Die jüngste Generation der Tumormedikamente aber gibt den krankhaft aktiven Zellen gezielt das Signal zum Absterben - ohne, wie bei einer Chemotherapie, den gesamten Organismus zu vergiften. „Es ist das erste Medikament, das Gefäße abschmelzen lässt“, betonte Grimminger. Bisher haben der Mediziner und sein Kollege Ardeschir Ghofrani das Mittel erfolgreich bei einem 61-jährigen Mann mit Lungenhochdruck getestet. Eine weltweite klinische Studie unter Gießener Leitung soll Ende 2005 starten. Eine Zulassung auch für Herz-Lungen-Krankheiten wäre frühestens in zwei Jahren möglich.

In den westlichen Ländern sind Herz-Lungen-Krankheiten die häufigste Todesursache, wie Ghofrani berichtete. An zweiter Stelle folgen Krebsleiden.

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