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Kreisgrabenanlagen geben Wissenschaft Rätsel auf

Die europaweit bisher bekannten 150 monumentalen Anlagen einer 6 800 Jahre alten Zivilisation geben der Fachwelt auch Jahre nach ihrer Entdeckung Rätsel auf. Die Kreisgrabenanlagen wurden in Österreich, Bayern, dem Donaugebiet, Slowenien, Sachsen und Sachsen-Anhalt gefunden.

dpa DRESDEN. Die europaweit bisher bekannten 150 monumentalen Anlagen einer 6 800 Jahre alten Zivilisation geben der Fachwelt auch Jahre nach ihrer Entdeckung Rätsel auf. Die Kreisgrabenanlagen wurden in Österreich, Bayern, dem Donaugebiet, Slowenien, Sachsen und Sachsen-Anhalt gefunden.

„Wir kennen sie seit Jahren“, sagte der Sprecher des sächsischen Landesamtes für Archäologie, Christoph Heiermann, der dpa am Montag. Lage und Größe der Anlagen seien nur aus der Luft zu erkennen.

Die Luftbildarchäologie verstehe es, anhand der Vegetation Rückschlüsse auf mögliche archäologische Funde zu ziehen, sagte Heiermann. In Sachsen-Anhalt wird derzeit an der Rekonstruktion der 7 000 Jahre alten Kreisgrabenanlage Goseck gearbeitet. Bis Jahresende soll die im Jahre 2003 entdeckte Stätte detailgetreu als Touristenattraktion wieder aufgebaut werden.

Archäologie-Professor François Bertemes von der Universität Halle hatte die Ausgrabungen seinerzeit geleitet. Er ist überzeugt: „Goseck ist nach unseren Funden die älteste Kreisgrabenanlage und eindeutig als Observatorium benutzt worden.“ Dies belegen nach seiner Auffassung Messungen sowie Funde von stichbandkeramischen Scherben.

Bereits Anfang der 1990er Jahre wurde die Anlage im sächsischen Kyhna bei Leipzig gefunden, die einen Durchmesser von 137 Metern hatte. Bei Vorarbeiten zur künftigen Trasse der Autobahn Dresden-Prag stießen die Archäologen in den vergangenen drei Jahren im Dresdner Ortsteil Nickern auf einen weiteren Vierfachring mit 127 Meter Durchmesser.

Wozu die Bauten dienten, sei nicht bekannt, sagte Heiermann. „Wir sprechen von zentralen Orten, die Leute sind da hin gegangen, was sie da gemacht haben, wissen wir nicht. Vielleicht war es ein Tempel, vielleicht war es ein Markt.“ Auch die Nutzung von Goseck als Observatorium „ist eine These, die in der wissenschaftlichen Community nicht gut aufgenommen wurde“, sagte er. Rätselhaft sei auch, warum die Anlagen nur etwa 200 Jahre lang benutzt wurden.

Auf jeden Fall gehörten die Erbauer einer hochorganisierten Zivilisation an. Sie seien Ackerbauern gewesen und lebten in Dorfgemeinschaften. Sie konnten vorzüglich mit ihren Steinwerkzeugen umgehen. „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, je weiter wir in der Geschichte zurückgehen, desto zotteliger werden die Menschen“, sagte Heiermann. „Diese Menschen waren uns völlig gleich. Woher sie kamen und was aus ihnen wurde, wissen wir nicht.“

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