Kühlmaschinen
Die Sonne hilft in Nordafrika beim Abkühlen

Kälte wird in Afrika künftig auch aus Sonne gemacht – mit solar betriebenen Kältemaschinen. Die letzten fünf Jahre über haben Firmen und Forschungsinstitute in Europa rund 100 solare Kältemaschinen, meist Pilot-Anlagen, installiert. Jetzt wagen sie den Schritt über das Mittelmeer.

FREIBURG. Zwischen Casablanca und den Pyramiden von Gizeh brummen Hunderttausende elektrisch betriebener Klima- und Gefrieranlagen. Die nötige Kühlung verschaffen sich die Menschen im sonnenbestrahlten Nordafrika noch fast ausschließlich mit Strom aus Gas und Erdöl – doch das soll sich ändern: Den Treibhauseffekt vor Augen, drängen jetzt die Regierungen der nordafrikanischen Maghreb-Staaten von Marokko bis Ägypten auf eine Abkehr von den fossilen Energieträgern.

Das neue Bekenntnis zu regenerativen Energien heißt für die Kühlanlagenbranche im Klartext: Kälte wird in Afrika künftig auch aus Sonne gemacht – mit solar betriebenen Kältemaschinen. Die Idee ist schon mindestens vierzig Jahre alt. Doch erst jetzt ist die Anlagentechnik so weit gereift, dass an einen kommerziellen Betrieb zu denken ist. Die letzten fünf Jahre über haben Firmen und Forschungsinstitute in Europa rund 100 solare Kältemaschinen, meist Pilot-Anlagen, installiert. Jetzt wagen sie den Schritt über das Mittelmeer.

Auch Andreas Häberle will in den nordafrikanischen Markt vorstoßen – mit einer Lösung für das industrielle Gefrieren. Seine Firma PSE in Freiburg hat mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt einen Hochtemperatur-Sonnenkollektor entwickelt, der die Flüssigkeit in seinem Inneren bis auf 200 Grad Celsius aufheizt. So paradox es klingt: Um im Gefrierschrank Minusgrade zu erreichen, braucht man besonders hohe Temperaturen.

Wichtigstes Teil des so genannten Fresnel-Kollektors ist das Reflektorfeld, das sich aus vielen kleinen Spiegeln zusammensetzt. Sie werden individuell gekippt, so dass sie das Licht in der Summe wie ein großer Parabolspiegel auf einen Brennpunkt leiten. Dort befindet sich ein Stahlrohr mit der Heizflüssigkeit. „Der Fresnel-Kollektor braucht weniger Platz als eine Parabolanlage und ist weit weniger windanfällig“, sagt Häberle. Zudem entfällt die aufwendige Mechanik, mit der man ansonsten die ganze Parabolkonstruktion der wandernden Sonne nachführt. Es reicht, die kleinen Spiegel auszurichten. Der Kollektor sei billig und robust, sagt Häberle – und damit geeignet für den Alltag in der nordafrikanischen Provinz, wo es an geschulten Wartungstechnikern mangelt. Der Freiburger Fresnel-Kollektor wird derzeit bei einem tunesischen Weinbaubetrieb installiert und soll eine konventionelle Kältemaschine ersetzen.

Die Anlage ist Teil des EU-Projekts Medisco – unter italienischer Führung wird die Hochtemperatur-Technik bei Hitze und Staub getestet. Auch der Bedarf für solar betriebene Kühlanlagen in der Landwirtschaft des Mittelmeerraums wird ausgelotet. Eine zweite Solar-Anlage soll eine Molkerei in Marokko versorgen. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg kümmert sich um die Konzeption und die Simulation der Anlagen.

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