Kühne Visionen - Unwetter sollen kein Schicksal bleiben
Wissenschaftler wollen Hurrikans ablenken

Hurrikan „Wilma“ hat die höchste Kategorie erreicht und nimmt Kurs auf Mittelamerika. Die Küstenbewohner blicken sorgenvoll auf den 21. Tropensturm der Saison. So viele tropische Wirbelstürme wurden über dem Atlantik zuletzt vor über 70 Jahren gezählt. Bei Forschern steigt jedoch die Hoffnung, sogar Hurrikans einmal beeinflussen zu können.

HB HAMBURG. Der Mensch steht diesen Naturgewalten weiterhin machtlos gegenüber. Je besser Meteorologen allerdings das Wetter verstehen, umso mehr steigt die Hoffnung, sogar Hurrikans wie „Katrina“ oder „Stan“ einmal beeinflussen zu können. „Wir sind noch nicht so weit, aber ich bin ziemlich sicher, dass das kommen wird“, sagt Prof. Hartmut Graßl, ehemaliger Chef-Klimatologe der Vereinten Nationen und emeritierter Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie.

Möglich erscheinen solche kühnen Visionen, weil das Wetter ein chaotisches System ist: Schon eine vergleichsweise kleine Änderung am richtigen Punkt kann drastische Folgen haben. Der Trick ist, die entscheidende Stelle zu finden. Der US-Wetterforscher Ross Hoffman hat das bereits durchgerechnet. In einer Computersimulation ist es ihm gelungen, etwa den Taifun „Iniki“, der 1992 über das Hawaii- Archipel hinwegfegte, rund hundert Kilometer nach Westen abzulenken. Anders als in der Realität verschonte „Iniki“ so in der Simulation die Insel Kauai weitgehend.

Mit Kollegen seiner Firma Atmospheric and Environmental Research in Lexington (US-Staat Massachusetts) modellierte Hoffman den realen Wirbelsturm im Computer und bestimmte dann ein neues Zielgebiet. Anschließend ließen die Wissenschaftler den Rechner nach jenem Punkt suchen, der die geringsten Eingriffe in die Schlüsselvariablen erfordert, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Die größte Veränderung war demnach westlich des Sturmzentrums nötig, wo die Temperatur um immerhin zwei Grad Celsius erhöht werden musste, wie Hoffman in der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ berichtet. Hurrikan „Andrew“, ebenfalls von 1992, schwächten die Forscher in der Simulation von Kategorie drei auf Kategorie 1 ab.

Derartige Eingriffe in einen Wirbelsturm sind in der Realität noch Zukunftsmusik. „Wir sind weit davon entfernt, solche Phänomene zu beeinflussen“, betont der Präsident des Deutschen Wetterdienstes, Udo Gärtner. Hoffman meint, ohnehin geplante Solarkraftwerke im Weltall könnten möglicherweise eines Tages die nötige Energie liefern. Die Solarsatelliten könnten mit Hilfe von Mikrowellenstrahlung der richtigen Frequenz die feuchte Luft erwärmen. Allerdings dringt solche Strahlung aus dem Orbit nicht weit von oben in einen Hurrikan ein.

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