Forschung + Innovation
Kurzes Hirnwachstum gab Frühmenschen wenig Denkvermögen

Die frühen Vorfahren des Menschen verfügten nach neuesten Forschungen über keine komplexe Sprache und nur geringe Erkenntnisfähigkeiten.

dpa LEIPZIG/LONDON. Die frühen Vorfahren des Menschen verfügten nach neuesten Forschungen über keine komplexe Sprache und nur geringe Erkenntnisfähigkeiten.

Forscher um Prof. Jean-Jacques Hublin vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und Hélène Coqueugniot von der Universität Bordeaux 1 schließen dies aus Untersuchungen eines 1,8 Mill. Jahre alten Kinderschädels. Sie fanden heraus, dass das Hirnwachstum nach der Geburt beim Homo erectus viel früher abgeschlossen war als beim heutigen Menschen.

Die in der Fachzeitschrift „Nature“ (Bd. 431, S. 299) veröffentlichten Forschungen zeigen, dass sich die etwa zehnjährige Dauer der Hirnentwicklung außerhalb des Mutterleibes beim modernen Menschen erst relativ spät in der Evolution herausgebildet hat. Nach Ansicht der deutsch-französischen Forschergruppe war das möglicherweise erst nach dem Auftauchen des gemeinsamen Vorfahren des modernen Menschen (Homo sapiens) und des Neandertalers (Homo neanderthalensis) vor rund zwei Mill. Jahren der Fall.

Gerade die lange Wachstumsphase des Gehirns nach der Geburt macht aber den Unterschied im Denkvermögen zwischen dem Menschen von heute und seinen frühen Vorfahren aus. Bisher war in der Wissenschaft umstritten, zu welchem Zeitpunkt in der Evolution des Menschen die lange Phase des Hirnwachstums eintrat.

Erstmals hatten die Forscher den gut erhaltenen Schädel des Mojokerto-Kindes, eines Homo-erectus-Fundes aus Java (Indonesien), mittels Computertomographie untersucht. Dabei stellten sie fest, dass das Kind bei seinem Tod etwa ein Jahr alt war und sein Gehirnvolumen 72 bis 84 % von dem eines erwachsenen Homo erectus betrug. Beim modernen Menschen liegt der Wert bei 50 %. Vergleiche ergaben, dass das Gehirnwachstum außerhalb des Mutterleibes beim frühen Vorfahren ähnlich schnell abgeschlossen war wie bei Schimpansen, aber wesentlich früher als beim modernen Menschen.

Frühere Altersbestimmungen des 1936 gefundenen Mojokerto-Kindes waren zunächst von einer Spanne zwischen 18 Monaten und acht Jahren, später von vier bis sechs Jahren ausgegangen. Die Computertomographie ermöglichte den Forschern die Präzisierung des Alters anhand der inneren Schädelstrukturen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%