Kurzwelle soll künftig rauschfrei sein
Digitaltechnik verhilft Weltempfängern zu neuem Glanz

Eine neue Übertragungstechnik soll die Kurzwelle attraktiver machen. Mehr als 80 Rundfunkanstalten, Hersteller und Forschungsinstitute haben sich zur Initiative zusammengeschlossen, um einen neuen digitalen Standard für Kurzwellenprogramme zu fördern.

KÖLN. Es knistert und knackt, es rauscht und heult – Radiosendungen aus fremden Ländern sind nicht gerade ein Hörgenuss. Nur eingefleischte Fans versuchen noch, per Weltempfänger Programme aus Asien oder Afrika zu empfangen. Der neue Standard „Digital Radio Mondiale“ (DRM) soll die Kurzwelle wieder attraktiver machen.

Der Vorteil von DRM: Nachrichten und Musik lassen sich im Vergleich zur bisherigen Kurzwellen- Übertragung in bisher unerreichter Qualität empfangen. „Es handelt sich um eine deutliche Verbesserung der Audioqualität“, sagt Olaf Korte, Business Manager Digital Broadcasting beim Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen. „Gleichzeitig wird die Bedienung für den Benutzer so einfach, wie wir es bereits vom gängigen UKW-Standard kennen.“

Große Sender zeigen Interesse

Da die Sendungen digital hergestellt und ausgestrahlt werden, seien auch zusätzliche Dienste wie die simultane Übertragung von bis zu vier Sprachen auf einem Kanal möglich. „Da sich bestimmte Inhalte verschlüsseln lassen, öffnet sich ein weites Feld für kommerzielle Business-to-Business oder Business-to-Consumer-Dienste“, so Korte.

Vor allem große Programmanbieter wie die britische BBC, der Deutschlandfunk oder die Deutsche Welle mit ihren Fremdsprachenprogrammen haben ein Interesse an DRM. Mit der besseren Audioqualität könnte der neue Standard schließlich für zusätzliche Hörer sorgen. Die Deutsche Welle hat bereits mit DRM-Ausstrahlungen für Europa und den Mittleren Osten begonnen. Auch BBC, Voice of America, Radio France sowie einige andere Stationen sind bereits am Start.

Übergangszeit dauer 15 bis 20 Jahre

Bis sich die neue Technologie bei den Kunden auf breiter Front durchsetzt, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Das DRM-Konsortium rechnet mit einer Übergangszeit von 15 bis 20 Jahren. Solange werde parallel analog und digital gesendet, erst danach könne DRM die analoge Technik ganz verdrängen.

Ein Problem liegt auf Seiten der Sendetechnik. Die analogen Anlagen müssen auf die Erfordernisse von DRM umgerüstet werden. „Bei vielen modernen Sendern ist das durch entsprechende Nachrüstungen relativ kostengünstig zu realisieren“, sagt Olaf Korte. Eine spezielle Hardware bieten unter anderem die Unternehmen Telefunken Sendesysteme, Thales oder Harris an. Das zweite Problem liegt auf Seiten der Empfänger. Der Massenmarkt benötigt spezielle DRM-Chips: „Mit ihnen ist wohl ab 2004 zu rechnen“, schätzt Korte.

Das deutsch-schwedische Technologieunternehmen Coding Technologies, das die digitale Kurzwellentechnik gemeinsam mit dem IIS entwickelte, hat bereits im vergangenen Jahr erste seriennahe Endgeräte vorgestellt. „Wir zeigen damit, dass man einen voll funktionsfähigen DRM-Receiver mit Standardkomponenten bauen kann“, sagt Martin Dietz, Vorstandschef von Coding Technologies. „Damit profitieren auch die großen Hersteller von unserer Entwicklungsarbeit.“

Sony & Co warten noch ab

Doch die Unterhaltungselektronik-Konzerne sind noch skeptisch. „DRM steht zurzeit nicht im Fokus unserer Entwicklungsarbeit. Wir haben kein Gerät auf dem Markt oder in Vorbereitung“, sagt etwa Markus Nierhaus von Sony Deutschland. Sony werde den Markt genau beobachten und dann gegebenenfalls in die Konstruktion einsteigen.

Auch der deutsche Marktführer bei Autoradios hat keine DRM-Pläne. „In den nächsten zwei bis drei Jahren wird es da von uns sicherlich kein Modell geben“, sagt Blaupunkt-Sprecher Joachim Siedler. Blaupunkt wolle erst einmal die Akzeptanz des regional orientierten Digital-Audio-Broadcasting (DAB)- Standards weiter vorantreiben.

Trotz der Zurückhaltung bei den Elektronik-Riesen sind bereits einige Prototypen oder Kleinserien auf dem Markt oder in der Entwicklung. Medienexperten sind sich allerdings darin einig, dass sich Digital Radio Mondiale nur dann rasch durchsetzen kann, wenn preiswerte zuverlässige Empfangsgeräte auf dem Markt sind.

Sender schon heute digital empfangen

Noch ist kein preiswerter DRM- Empfänger auf dem Markt – dennoch gibt es Möglichkeiten, Digital Radio Mondiale zu empfangen. Das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen bietet ein Software-Radio für den Profibereich an. Die Firma Thales hat ebenfalls einen Empfänger für Profianwender im Angebot. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin wird in Halle 5.3 ein DRM-Prototyp für den Heimbereich präsentiert. Anschließend soll eine Klein-Serie aufgelegt werden. Coding Technologies und Mayah präsentieren ab November die zweite verbesserte Auflage eines DRM-Kofferradios. Der Preis soll bei 700 Euro liegen.

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