Land investiert 200 Millionen Euro
China beteiligt sich an Galileo

China wird sich an dem europäischen Satellitenprojekt Galileo beteiligen. "Am Samstag werde ich den Vertrag mit der chinesischen Seite unterzeichnen", sagte Rainer Grohe, Chef der Galileo Joint Undertaking (GJU) dem Handelsblatt.

HB MÜNCHEN. China werde für 200 Mill. Euro einen einstelligen Prozentanteil an der GJU erhalten. Die Beteiligung der beiden Gesellschafter EU und Raumfahrtagentur ESA verringert sich entsprechend. Nach den Statuten darf deren Beteiligung jeweils nicht unter 40 % sinken. "Die Chinesen verschaffen sich damit Zugang zur Technologie und Mitspracherechte", bestätigt Grohe. Es werde noch mit anderen Ländern verhandelt, keines werde sich aber stärker als China beteiligen.

Derzeit gehört GJU das System Galileo, das bis 2009 als Konkurrenz zu GPS aufgebaut werden soll. GJU wurde gegründet, um einen Betreiber zu finden, der dann für 20 Jahre das System nutzen darf. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Es bewerben sich die Konsortien Inavsat (EADS, Thales) und Euresa (Alcatel, Finmeccanica). "Beide Angebote sind sehr eng zusammen", sagte Grohe nach Abschluss der vorläufigen Evaluierung. Es seien aber noch Fragen der Finanzierung und Risikoübernahme offen, die erst nach entsprechenden Beschlüssen des EU-Verkehrsausschusses am 8. Dezember geklärt werden können.

Damit liegt der Ball im Spielfeld der Politik. Nach der ersten Entwicklungsphase werden vier Satelliten ins Orbit geschickt, um das System zu testen. Diese Phase wird mit 1,1 Mrd. Euro aus EU-Geldern finanziert. Der Verkehrsausschuss muss aber über die Nachforderung der Industrie entscheiden. Die will mindestens 300 Mill. Euro mehr, weil sich der Leistungsumfang vergrößert hat. Zum Hintergrund: Galileo hat die Rechte für bestimmte Frequenzen erworben, die bei Nicht-Nutzung wieder verfallen. Da es bereits Verzögerungen von einem Jahr gibt, müssen zwei kleinere zusätzliche Satelliten ins All, um rechtzeitig zu senden und damit die Rechte zu erhalten. In der zweiten Phase sollen dann weitere 26 Satelliten ins Orbit. Die Kosten von 2,2 Mrd. Euro dafür soll der Betreiber zu zwei Dritteln und die EU zu einem Drittel aufbringen. Der Verkehrsausschuss muss im Dezember dafür die öffentlichen Gelder erst noch bewilligen. "Erst danach können wir eine abschließende Bewertung der Angebote der Konsortien abgeben", betonte Grohe. Die endgültige Entscheidung soll im Januar 2005 fallen.

Galileo gilt als genauer und sicherer als GPS. Dank eindeutiger Identifikation der Signale werden Dienste wie Flugüberwachung möglich. Mit Galileo sollen neue Märkten mit einem Volumen von 10 Mrd. Euro erschlossen werden. Auch hoheitliche Dienste sind vorgesehen. Die militärische Nutzung ist damit auch möglich. Die Nato nutzt allerdings GPS. "Die Chinesen werden aber keinen Zugang zu den hoheitlichen Diensten erhalten", versicherte Grohe.

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