Lasertechnik
„Wir stehen an der Spitze“

Die Chinesen haben schon viele Laser nachgemacht, doch noch sind sie nicht auf dem Stand deutscher und amerikanischer Hersteller. Im Handelsblatt-Interview spricht Anja Techel, Vize-Chefin des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahlentechnik, über deutsche Lasertechnik, ausländische Konkurrenz und den Ausblick auf dem Weltmarkt.

Handelsblatt: Frau Techel, wie gut ist die deutsche Lasertechnik im internationalen Vergleich?

Techel: In einigen Bereichen ist die deutsche Lasertechnik weltweit führend. Produkte von Trumpf, Rofin, Jenoptik oder Laserline genießen international einen sehr guten Ruf. Dazu gehört zum Beispiel der CO2-Laser. Beim Schneiden und Schweißen bewährt er sich seit Jahren. Eines der neueren Spitzenprodukte aus Deutschland ist der Scheibenlaser. Sein Merkmal ist die Strahlqualität, also Leistung pro Fläche. Außerdem rechnen Forscher damit, dass man mit ihm einige Prozesse deutlich beschleunigen und verbessern kann. Für das Härten ist der Diodenlaser das beste Produkt, ebenfalls eine Erfindung deutscher Forscher. Er ist besonders effizient, weil sein Licht eine niedrige Wellenlänge hat und deshalb von Metallen wenig reflektiert wird.

An welchen Neuigkeiten tüfteln deutsche Laserforscher?

Etwa an Pulslasern, die ihr Licht nicht dauerhaft, sondern in kurzen Pulsen ausstrahlen. Deutsche Unternehmen haben sich in einigen Projekten zusammengeschlossen, um diese Pulse kürzer und leistungsstärker zu machen. Bei Hochleistungslasern wollen sie die Strahlqualität verbessern. Hier arbeiten Forscher auch am Material, aus dem der Laser besteht. Wenn die Laserleistung für kurze Zeit enorm steigt, muss das Material, das die Leistung überträgt, dieser Energie standhalten. Für Laser-Anwender ist außerdem wichtig, dass die Geräte lange halten, ihre Leistung gleich bleibt und sie selten gewartet werden müssen. Hier besteht noch Forschungsbedarf, denn die Industrie fordert Verbesserungen. Außerdem versuchen Forscher, den Energieverbrauch zu senken.

Und wo stehen die Deutschen mit diesen Forschungen im Vergleich zu anderen Ländern?

Wir stehen an der Spitze. Die hohe Konzentration von Laserherstellern, Systemanbietern und Anwendern und die Vielzahl von Laserforschungseinrichtungen in Deutschland sind weltweit einzigartig. Hersteller von Laserquellen und-technik, die zum Teil auf einzelnen Feldern führend sind, findet man aber auch in England, Skandinavien, Frankreich, Portugal und in der Schweiz. Unsere schärfsten Konkurrenten sitzen in den USA. Dort gibt es Firmen, die im Bereich der Faserlaser-Entwicklung und bei den gepulsten Lasern sehr stark sind.

Wie reagiert die Branche auf die wachsende Konkurrenz?

Sie versuchen zum Teil, vergleichbare Produkte auf den Markt zu bringen. US-Unternehmen haben etwa einen Faserlaser entwickelt, der recht mobil ist und eine deutlich kleinere Aufstellfläche benötigt als bisherige Geräte deutscher Firmen. Also haben sich einige deutsche Firmen besonders angestrengt und einen ähnlichen Laser auf den Markt gebracht. Man kann aber nicht immer alles nacharbeiten, was irgendwo anders schon entwickelt wurde. Dafür ist nicht immer die Zeit, also kauft man häufig dazu. Auch die Amerikaner kaufen bei uns Produkte, die ihnen noch nicht so gut gelingen wie uns.

Der zweite Konkurrent ist China. Wo machen die Chinesen hiesigen Firmen Marktanteile streitig?

China baut alles nach, was geht. Einige Laser haben die chinesischen Unternehmen bereits gut nachgemacht. Sie sind aber insgesamt noch nicht auf dem gleichen Stand wie deutsche oder amerikanische Hersteller. Oft ist das aber auch gar nicht ihr Anspruch. Für viele Arbeiten reichen schon einfache Geräte aus, die dann auch besonders günstig sind. Auf diesem Gebiet legen die Chinesen derzeit nach: Sie bauen eine eigene Laser-Industrie auf, um den Markt im eigenen Land zu bedienen. Aber sicher auch, um zu exportieren.

Verliert Deutschland seinen Spitzenplatz in der Lasertechnik also bald an China oder an die USA?

Ein großes Problem ist, dass China und die USA ihre Produkte billiger anbieten als wir. Technisch werden die deutschen Firmen dagegen noch einige Jahre vorn liegen, zumindest bei der Entwicklung besonders hochwertiger Laser wie Festkörper- oder Diodenlaser. Vielleicht schaffen wir es auch, länger an der Spitze zu bleiben, denn die deutsche Förderlandschaft misst dieser Technologie immer größere Bedeutung bei. Hintergedanke bei der wachsenden Unterstützung ist sicher auch, dass es einfacher ist, einen Vorsprung zu halten, als einen Rückstand aufzuholen.

Aber US-Forscher haben doch bestimmt höhere Budgets?

Das Budget, das in den USA in die Laserforschung geht, ist tatsächlich deutlich höher. Dort wird allerdings auch viel vom Verteidigungsministerium bezahlt. In den USA wird dementsprechend vor allem an Lasern für militärische Anwendungen geforscht. Andere Forschungsergebnisse sind oft nur Abfallprodukte, aber sie ergeben sich eben doch. Bei uns kommt das Geld entweder vom Forschungs- oder Wirtschaftsministerium, oder eben von der EU. Es spricht für die deutschen Forscher, dass sie mit ihrem kleineren Budget ihren Vorsprung bisher halten konnten. Die Lasertechnik wird eine der Kernkompetenzen der Deutschen bleiben.

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