Lawinenforschung
Dem weißen Tod auf der Spur

Für den Flachlandbewohner ist Schnee einfach Schnee. Doch der weiße Schein trügt: Lawinenforscher sind sich sicher, dass unterschiedlich beschaffenene Schneeschichten wesentlich die Gefahrenlage bestimmen. Neuartige Satelliten erkennen die Schneestruktur.

DÜSSELDORF. Als im Jahre 218 v. Chr. das nordafrikanische Heer Hannibals mit seinen 37 Kriegselefanten die Alpen überquerte, um Rom überraschend von Norden anzugreifen, erlitt es schwere Verluste durch einen - damals - völlig unberechenbaren Verbündeten Roms: Lawinen töteten Tausende Nordafrikaner, die wohl noch nie zuvor Schnee gesehen hatten. Im Mittelalter nährten Schneeabgänge den Aberglauben: Man sah in ihnen teuflische Waffen, die nur durch das Läuten der Kirchenglocken aufzuhalten wären.

Auch heute noch fallen Menschen dem "weißen Tod" zum Opfer wie in dieser Woche in den bayerischen Alpen. Für Skifahrer und Bergbewohner ist die Gefahr aber immer besser abschätzbar, denn Physiker, Geologen und Klimatologen gehen seit Jahrzehnten den Ursachen für Lawinen auf den Grund und schaffen Voraussetzungen für effektive Schutzmaßnahmen. Im Jahr 1936 begannen Schweizer Wissenschaftler in Davos, Schnee systematisch zu untersuchen: die Geburtsstunde des Eidgenössischen Institutes für Schnee- und Lawinenforschung (SLF).

Für den Flachlandbewohner ist Schnee einfach Schnee. Nicht so für die Lawinenforscher, denn der Zusammenhang zwischen unterschiedlich beschaffenen Schneeschichten bestimmt wesentlich die Gefahrenlage. Die Mikrostruktur des Schnees und seine Metamorphose durch Temperaturveränderungen, Druck und Wind werden in Davos vom Team Schneephysik unter Martin Schneebeli mit Mikro-Computertomographen im Kältelabor erforscht.

Frisch gefallener Pulverschnee ist nicht nur für Skifahrer ein herrlicher Anblick. Unter dem Mikroskop und auch schon unter der Lupe betrachtet, erkennt man seine ästhetischen sechsstrahligen Kristalle, jedes davon einzigartig. Doch diese sind nicht langlebig. Durch Anschmelzen und Wiedergefrieren entsteht aus den Neuschneekristallen körniger Altschnee, der sich verdichtet.

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