Lebenserwartung steigt jährlich
Methusalem aus dem Gen-Labor

500 Millionen Dollar, einige Universitätsprofessoren-Jahresgehälter, winken dem Gewinner einer ungewöhnlichen Wette zwischen Steven Austad von der University of Texas und Jay Olshansky von der University of Illinois.

HB DÜSSELDORF. Gegenstand der Wette ist die Grenze der menschlichen Lebenserwartung. Austad hält 150 Jahre für möglich, Olshansky sagt, mit 130 ist Schluss. Ob der Sieger den Stichtag, den 1. Januar 2150, erlebt, ist fraglich.

Wie alt kann der Mensch werden? Die meisten Gerontologen, die Alternsforscher, schlagen sich auf Olshanskys Seite: 125, vielleicht 130 Jahre irdischen Daseins sind das Äußerste, für mehr sei der Körper nicht gebaut. James Vaupel, Direktor am Max-Planck-Institut für demographische Forschung in Rostock ist da ganz anderer Ansicht. Im Wissenschaftsmagazin "Science" kritisierte er, dass viele Kollegen "blind der veralteten Vorstellung anhängen, der Typus Mensch habe eine artspezifische Lebensspanne". Vaupels Gegenargument ist einfach, aber schlagkräftig: Alle bisherigen Prognosen zur Obergrenze der Lebenserwartung entpuppten sich als nichtig, weil sie bald durchbrochen wurden. "Seit 1840 steigt die Rekordlebenserwartung kontinuierlich um drei Monate pro Jahr", erklärt Vaupels Kollegin Jutta Gampe. "Und eine Änderung ist nicht in Sicht." Hochgerechnet heißt das, dass die Hälfte der heute geborenen Jungen und ein noch größerer Teil der Mädchen das nächste Jahrhundert erlebt. Am Zahltag der Wette 2150 würden die Bewohner der Industrienationen im Mittel 120 Jahre alt. Die Rostocker Forscher haben daran keine Zweifel.

Aber: Auch wenn die Menschen immer älter werden - sie altern. Kein Wunder, dass die Gerontologie boomt, denn ihre Leitfrage ist so alt wie die Menschheit selbst: Warum kann ich nicht ewig jung bleiben? Sie beschäftigt auch Thomas Hofmann vom Deutschen Zentrum für Alternsforschung an der Universität Heidelberg, allerdings "in erster Linie aus professionellen Gründen". Er untersucht, welche molekularen Mechanismen Zellen altern lassen. Seine Hoffnung: Wenn man diese kennt, lässt sich der Prozess vielleicht verlangsamen, und altersbedingte Leiden lassen sich verhindern. "Eine bloße Verlängerung der Lebensspanne ist sinnlos", sagt Hofmann. "Der Mensch möchte ja gesund alt werden."

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