Lebensmitteltechnik
Biotechnologen nehmen Muscheln ins Visier

Eine Muschelvergiftung ist kein Spaß: Die Folgen sind Bauchschmerzen, Erbrechen – und im Extremfall tödliche Nervenlähmungen. Dass sich die meisten Deutschen nach dem Muschelgenuss keineswegs mies fühlen, ist unter anderem dem Biotech-Unternehmen Tela zu verdanken. Wie die Bremerhavener Muscheln auf Gifte untersuchen.

BREMEN. Die Toxine nehmen die Weichtiere über ihr Futter auf – nämlich Algen. „Das Problem hat durch Erderwärmung und Wasserverschmutzung zugenommen“, sagt Tela-GeschäftsführerNorbert Helle. „Die giftproduzierenden Algenarten wachsen stärker und dringen in neue Gebiete wie die Ostsee vor.“

Der Biotech-Standort Bremerhaven ist für die Arbeit von Tela prädestiniert. Das Unternehmen hat seinen Sitz im Gründerzentrum Bio Nordim Fischereihafen. Elf Unternehmen und das Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven haben sich dort eingemietet, alle spezialisiert auf Biotechnologie. DieFirmen sind zum Großteil Ausgründungen aus wissenschaftlichen Einrichtungen. Im Auftrag der Industrie beschäftigen sie sich mit der Qualitätssicherung von Lebensmitteln, Messverfahren, Sensorik oder medizinischer Diagnostik.

Die Spezialisierung auf Lebensmitteltechnik ergebe sich daraus, dass in Bremerhaven große Unternehmen aus dieser Branche wie Frozen Fisch International, Deutsche See, Frosta und Nordsee ansässig seien, sagt Annette Schimmel, Technologieförderexpertin der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung. Die Biotech-Firmen nutzen auch Erkenntnisse aus der Meeresbiologie – und entwickeln damit Anwendungen der sogenannten „blauen Biotechnologie“. Dabei kooperieren sie mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und der Hochschule Bremerhaven. Bislang stecke die blaue Biotechnologie wegen der kostenintensiven Forschung aber noch in den Anfängen, sagt Schimmel.

Das Technologiezentrum bietet den Mietern Labore, Büro- und Konferenzräume, einen zentralen Empfang sowie ein Sekretariat. Darüber hinaus können die Firmen auch das „Technikum“ nutzen, ein gemeinsames Forschungslabor. Die Wirtschaftsförderer greifen den Gründern zudem bei betriebswirtschaftlichen Fragen unter die Arme, etwa wenn es um Fördermittel, Marketing, Kooperationsverträge oder Patentanmeldungen geht.

Ein Zukunftskonzept: In vier Jahren sind so mehr als 100 Arbeitsplätze entstanden. Bis Ende des Jahres soll ein weiteres Gebäude für 9,3 Mill. Euro entstehen. Im Erdgeschoss ist eine Ausstellung mit Titel „Phänomenta“ geplant, die Naturphänomene erklären soll. Die Besucher können dort auch selbst experimentieren – und so Einblicke in die Arbeit der Biotechnologen gewinnen.

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