Forschung + Innovation
Leibniz-Preis: Professorin lässt 1,55 Millionen Euro ruhen

Die Frankfurter Professorin Stefanie Dimmeler hat vorläufig darauf verzichtet, den höchstdotierten deutschen Förderpreis zu erhalten.

dpa BERLIN. Die Frankfurter Professorin Stefanie Dimmeler hat vorläufig darauf verzichtet, den höchstdotierten deutschen Förderpreis zu erhalten.

Während neun Preisträger am Mittwoch den begehrten Leibniz-Preis in Höhe von jeweils 1,55 Mill. Euro in Berlin entgegennahmen, blieb die 37-jährige Biologin der Universität Frankfurt der Feier fern. Dimmeler habe selbst darum gebeten, den Preis vorerst ruhen zu lassen, teilte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit. Grund seien Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Publikationen ihres Universitäts-Instituts.

Dimmeler bleibe selbstverständlich weiterhin Preisträgerin, betonte eine DFG-Sprecherin. Die offenen Fragen rund um die Publikationen würden im Einvernehmen geklärt. Seit der Vergabe der ersten Leibniz-Preise 1986 sei es das erste Mal, dass ein Wissenschaftler bei der Verleihung fehle.

Die Leibniz-Preise wurden an eine Forscherin und acht Forscher verliehen. Die Preisträger hätten entscheidend dazu beigetragen, die Grenzen des Wissens in ihrem Fachbereich weiter hinauszuschieben, teilte das Bundesforschungsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Der Leibniz-Preis solle den Wissenschaftlern „märchenhafte Freiheit“ gewähren, sagte DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker laut Redemanuskript bei der Verleihung in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Fünf Jahre lang können die Wissenschaftler ihr Preisgeld nach eigenen Bedürfnissen verwenden. Das bedeute „ein paar Jahre frei zu sein von den Bemühungen um Drittmittel und ein wenig freier zu sein vom Korsett der universitären Belastung und Administration“.

Zu den Preisträgern des Jahres 2005 zählen, wie bereits im Dezember bekannt gegeben, der Zellbiologe Peter B. Becker (46) von der Universität München und der Astrophysiker Günther G. Hasinger (50) vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching. 1,55 Mill. Euro erhielt auch Wolfgang Peukert (46) aus dem Fachbereich Mechanische Verfahrenstechnik der Universität Erlangen-Nürnberg.

Weitere Leibniz-Preise verlieh die DFG an den Experimentalphysiker Immanuel F. Bloch (32) und den Chemiker Jürgen Gauß (44), beide von der Universität Mainz. Ebenfalls ausgezeichnet wurden Axel Ockenfels (36) für Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Köln und Barbara Stollberg-Rilinger (49), Historikerin an der Universität Münster. Ein Leibniz-Preis ging an Christian Jung (48) aus dem Bereich Molekulare Pflanzenzüchtung der Universität Kiel. Nur einmal vergab die DFG einen Preis nach Ostdeutschland: An Andreas Tünnermann (41), Spezialist für Mikrosystemtechnik an der Universität Jena.

Die Molekularbiologin Dimmeler sagte in Frankfurt, bei einer Veröffentlichung im britischen Fachmagazin „Nature Medicine“ im vergangenen Jahr zur angestrebten Verbesserung der Durchblutung nach Herzinfarkten habe einer ihrer Mitarbeiter irrtümlich die Bilder vertauscht. „Wir haben zur 150-prozentigen Sicherheit sofort alle Experimente wiederholt, sind wieder zum gleichen Ergebnis gekommen und haben eine Berichtigung in der "Nature Medicine" publiziert“, erklärte Dimmeler. Sie habe auch den DFG-Ombudsmann Hans-Heinrich Trute informiert, der aber keine Notwendigkeit zu einer weiteren Prüfung des Falles gesehen habe.

Nach der Zuerkennung des Leibniz-Preises sei sie jedoch erneut von einem anonymen Briefeschreiber der Forschungsfälschung bezichtigt worden. „Ich vermute, dass mich jemand persönlich diffamieren will. Das ist das Traurige an dem Fall“, sagte die 37-Jährige. Nun beleuchte eine auch mit DFG-Vertretern besetzte Kommission der Universität Frankfurt den Vorfall. Das Ergebnis erwarte sie erst in mehreren Monaten. „Ich hoffe, dass es dann zu meiner Preisverleihung kommt“, ergänzte Dimmeler.

Nach Einschätzung der DFG hat die Wissenschaftlerin mit ihren Arbeiten zu den Blutgefäßen unter anderem wesentlich zum Verständnis der Arterienverkalkung beigetragen. Ihre Forschung habe Grundlagen für erste klinische Studien zur Stammzelltherapie bei Infarktpatienten geliefert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%