Leichtathletik
Die High-Tech-Bahn macht Athleten Beine

Das Olympiastadion in Berlin hat eine neue, blaue Laufbahn bekommen. Sie sieht nicht nur erfrischend anders aus, sondern soll auch besonders schnell sein. Wegen eines besonderen Materials – und einer besonderen Oberfläche. Bei der Leichtathletik-WM soll der Bodenbelag für Rekorde sorgen.
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FRANKFURT. Das Olympiastadion in Berlin bezeichnet Ariane Friedrich gerne als ihr „Wohnzimmer“. Dort fühlt sich die Hochspringerin besonders wohl. Beim Istaf-Meeting im Juni überquerte die Frankfurterin hier 2,06 Meter, löste Heike Henkel als deutsche Rekordhalterin ab und lag nur drei Zentimeter unter dem Weltrekord der Bulgarin Stefka Kostadinowa aus dem Jahr 1987. Leichtathletik-Fans hoffen nun, dass Friedrich bei der am Samstag beginnenden WM in Berlin diese Marke knackt.

Zu Rekorden beitragen soll die neue Laufbahn im Olympiastadion: Statt wie gewohnt „Ziegel-Rot“ ist sie in „Hertha-Blau“ getüncht, angepasst an die Vereinsfarben des Fußballklubs Hertha BSC, der hier spielt. Die Athleten hoffen, dass die Bahn nicht nur außergewöhnlich aussieht, sondern auch außergewöhnlich schnell ist. So rasant wie etwa der Belag bei der WM 1991 in Tokio gewesen sein soll, als Carl Lewis in 9,87 Sekunden über 100 Meter ins Ziel schoss und Mike Powell im Weitsprung sich auf eine Weite von 8,95 Meter katapultierte.

Eingebaut hat den Boden das Berleburger Schaumstoffwerk (BSW). Das Unternehmen musste eine knifflige Aufgabe bewältigen. „Kunststoffbahn ist nicht gleich Kunststoffbahn“, sagt Albrecht Rieger, Marketingleiter bei BSW. „Nur eine Handvoll Unternehmen kann solche Bahnen überhaupt bauen.“

Hersteller sind vor allem Polythan, Conica, eine Schweizer Tochter der BASF, und Mondo, eine italienische Firma, die Komplettausstattungen für Sportstätten anbietet. BSW kauft die Teile ein und verlegt sie. So auch in Berlin: Conica lieferte das Mittel Polyurethan, das zum Bau der Laufbahn notwendig war. Die blaue Oberfläche, die aus kleinen Granulaten besteht, hat die Firma Melos geliefert. Das Polyurethan und die Granulate sorgen für die Elastizität.

Dass nur wenige Firmen am Markt sind, hängt mit dem geringen Auftragsvolumen zusammen. BSW legt pro Jahr nur ein- bis zweimal in einem großen Stadion eine Laufbahn. In Deutschland wurden zudem viele Arenen zu reinen Fußballstadien umgewandelt. „Das beobachten wir zwar mit einer gewissen Sorge, es betrifft uns aber kaum“, sagt Rieger. Insgesamt verlegt das Unternehmen zwölf Laufbahnen in Deutschland für Gemeinden und saniert ein Dutzend weitere, international sind es nochmal doppelt so viele.

Conica produziert 250 bis 300 Bahnen pro Jahr, höchstens zehn Prozent davon sind für große Sportstätten. Das Kerngeschäft der Kunststoffböden-Abteilung bei BSW und Conica ist die Ausstattung von Sportbelägen für Gemeinden. Diese kosten inklusive Installation laut BSW etwa 200000 Euro das Stück.

Mit rund 400 000 Euro war der Untergrund in Berlin deutlich teurer. Ins Olympiastadion hat Berleburger die schnellste seiner neun Bahntypen verlegt: „Regupol Compact“. Grundsätzlich gilt: Je härter der Belag, desto flotter die Athleten. Ganz so einfach ist es in der Praxis freilich nicht. „Sonst könnte man ja auch auf Beton laufen“, sagt Rieger. Die Oberfläche der Laufbahn muss zum einen den Spikeschuhen der Sprinter Halt geben. Doch die Spikes dürfen sich nicht in das Material einbohren – sonst drohen Verletzungen.

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