LHC abgeschaltet
Schicht im Schacht

Der Urknall findet nicht statt. Nachdem der weltgrößte Teilchenbeschleuniger LHC wegen einer erneuten Panne am Kühlsystem abgeschaltet worden ist, gerät der Fahrplan für die Anlage gehörig durcheinander. Denn bis zur offiziellen Einweihung im Beisein von viel Polit-Prominenz wird die Reparatur nicht abgeschlossen sein.

HB GENF. Der europäische Teilchenbeschleuniger LHC fällt erst einmal in ein schwarzes Loch: Zwei Monate lang muss die erst kürzlich in Betrieb gegangene größte Forschungsmaschine der Welt wegen einer neuen Panne am Kühlsystem abgeschaltet werden. Ein Großteil der Zeit wird für die Erwärmung des auf die Betriebstemperatur von minus 271,3 Grad herabgekühlten LHC-Beschleunigers benötigt. Erst dann können Techniker mit der Reparatur beginnen. Viele Tage werden dann wieder für die Abkühlung benötigt.

Ganz klar ist noch nicht, was mit der Urknallmaschine passiert ist. Nach Angaben des europäischen Kernforschungszentrums CERN, dem Betreiber der Anlage, könnte eine Kabelverbindung zwischen zwei Hochleistungsmagneten durchgeschmort sein. Dabei entwich zur Kühlung verwendetes Helium. Nun muss der betroffene Sektor - einer von acht in einem Tunnel auf der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich - für die Reparatur erwärmt werden.

Im "Large Hadron Collider" (LHC) werden Atomkerne nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und mit Magnetfeldern, die 100 000 Mal stärker sind als das irdische, auf eine Kreisbahn gezwungen. Bei gezielten Zusammenstößen der energiereichen Kerne wollen die Physiker unter anderem erkunden, was kurz nach dem Urknall geschah, woraus die rätselhafte Dunkle Materie besteht und warum Materie überhaupt eine Masse besitzt.

Um die Atomkerne auf ihrem Weg durch den High-Tech-Ring in der Spur zu halten, sind riesige Magnete erforderlich, durch die Starkstrom fließt. Doch auch diese Hochleistungsgeräte können ihre Aufgabe nur bewältigen, wenn das Vakuum im fast 27 Kilometer langen Beschleunigerring tiefgekühlt ist. Entsprechend aufwändig ist das Kühlsystem der Anlage: 700 000 Liter flüssiges Helium und 14 Millionen Liter Flüssigstickstoff sollen dafür sorgen, dass es im LHC kälter wird als im Weltraum.

Schon vor dem jetzigen Ausfall hatte es Probleme mit der Forschungsmaschine gegeben. Bereits wenige Tage nach dem Start der Testphase am 10. September musste der LHC wegen einer Kühlpanne vorübergehend abgeschaltet werden. Erst am vergangenen Freitag hatte der Beschleuniger die Arbeit wieder aufgenommen.

Mit der erneuten Panne gerät auch die offizielle Einweihung der Anlage in Gefahr. Am 21. Oktober sollte der eigentliche Startschuss für den LHC fallen, im Beisein von hochrangigen Politikern der CERN-Mitgliedsländer, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ob das CERN-Direktorium auch vor einem abgeschalteten Beschleuniger die Sektkorken knallen lässt, ist noch unklar. Auf Nachfrage von Handelsblatt.com hieß es von Seiten des CERN, dazu gäbe es derzeit noch keine Informationen.

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