LHC steht weiter still
Längere Pause für die Urknall-Maschine

Schlechte Nachrichten für Teilchenphysiker: Sie müssen sich weitere Wochen gedulden, bis sie ihre Arbeit am Large Hadron Collider (LHC) des europäischen Kernforschungszentrums CERN aufnehmen können. Die Urknall-Maschine hat offenbar mehr Schwachstellen als bislang angenommen.
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BERLIN. Der Neustart des Teilchenbeschleunigers Large Hadron Collider (LHC) wird sich noch einmal um zwei bis drei Wochen verzögern. Die Wiederinbetriebnahme ist jetzt für Oktober geplant, teilte das europäische Kernforschungszentrum (CERN) in Genf mit. Bislang war das CERN von einem Neustart im September ausgegangen.

Grund für die Verzögerung ist, dass in einem weiteren Sektor mögliche Schwachstellen gefunden wurden, vergleichbar der, die den Zwischenfall im September 2008 ausgelöst hat. Der Sektor muss jetzt auf Zimmertemperatur erwärmt werden, um die entsprechende Schweißverbindung untersuchen zu können. Nach dem Unfall waren die Temperaturen im LHC auf 80 Kelvin, rund minus 190 Grad Celsius angehoben worden.

Man habe sehr viel Mühe darauf verwendet, die Schweißverbindungen zwischen den supraleitenden Kabeln und den Stabilisatoren aus Kupfer zu begreifen, sagte CERN-Chef Rolf-Dieter Heuer. An einer dieser Verbindungen war im vergangenen Jahr ein Lichtbogen entstanden, der einen Heliumtank beschädigte. Durch das Loch waren rund 6 Tonnen Helium entwichen. Das flüssige Helium kühlt die supraleitenden Magnete auf 4,5 Kelvin.

„Die gute Nachricht ist, dass alle bisher durchgeführten Messungen zeigen, dass wir im September oder Oktober sicher im Bereich von 4 bis 5 TeV pro Teilchenstrahl loslegen können“, so Heuer. „Allerdings legen die gleichen Tests nahe, dass wir noch einige Arbeit vor uns haben, bevor wir den LHC sicher mit mehr als 5 TeV fahren können. Diese Arbeiten werden wir in künftigen Ruhephasen erledigen.“ Wegen der hohen Energiekosten soll der LHC eigentlich in der kalten Jahreszeit stillstehen. Nach den Verzögerungen durch den Unfall wird der Beschleuniger jedoch voraussichtlich keine Pause im kommenden Winter einlegen.

Im Zuge der Reparaturarbeiten wurden alle Schweißverbindungen an den rund 1 700 Magneten überprüft. Einige der tonnenschweren Magnete mussten ausgebaut und an der Oberfläche repariert werden. Zudem wurde ein Sicherheitssystem eingebaut, das sogenannte Quench Protection System (QPS), das einen Schaden, wie er im vergangenen Jahr aufgetreten ist, in Zukunft verhindern soll. Dieses System soll bis zum Spätsommer einsatzbereit sein.

Heuer dankte wissenschaftlichen Einrichtungen in aller Welt für die Solidarität und die Hilfe bei der Behebung der Schäden: „Wir haben ein nie dagewesenes Maß an Unterstützung erhalten. Zum einen haben uns Physiklabore und -institute Arbeitskräfte für die Reparaturen zur Verfügung gestellt, zum anderen haben uns externe Gremien, die unsere Maßnahmen ausgewertet haben, unschätzbare Hinweise gegeben.“

Der LHC ist der derzeit leistungsfähigste Teilchenbeschleuniger der Welt. In der 27 Kilometer langen, ringförmigen Anlage, die zum europäischen Kernforschungszentrum, dem CERN, in Genf gehört, wollen die Forscher einige grundlegende Fragen der Teilchenphysik klären.

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