Lieferservice zur ISS
Raumstation bekommt Kaffee und Spätzle

Frische Kleidung und 40 Kilo Kaffee – das freut die Astronauten auf der ISS. Zum letzten Mal hat dort ein europäischer Raumtransporter festgemacht. Für den Deutschen Alexander Gerst gibt es Käsespätzle und Grießflammeri.
  • 0

BremenKiloweise Kaffee für die Astronauten im All und etwas Wehmut auf der Erde: Der letzte europäische Raumtransporter „Georges Lemaître“ hat am Dienstag an der Internationalen Raumstation ISS festgemacht. Er ist mit fast sieben Tonnen Ausrüstung, Lebensmittel, Treibstoff, Wasser und Atemluft beladen.

Das Versorgungsschiff wird in etwa sechs Monaten zur Erde zurückkehren und beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Damit endet eine Ära in der europäischen Raumfahrt: Die europäische Weltraumorganisation Esa stellt das drei Milliarden Euro teure ATV-Programm nach fünf Starts ein.

Der nach dem belgischen Begründer des Urknalltheorie benannte Raumfrachter war Ende Juli vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana mit einer Ariane-Rakete abgehoben. „Das Festmachen ist der schwierigste Teil der Mission. Es ist jedes Mal spannend“, sagte der stellvertretende Programmleiter Thomas Teichwart von Airbus Defence and Space.

Zahlreiche Mitarbeiter verfolgten das Manöver auf einer großen Leinwand im Bremer Werk, wo alle fünf Raumtransporter gebaut wurden. Zentimeterweise näherte sich „Georges Lemaître“ der fußballfeldgroßen ISS, um bei einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometern pro Stunde einen nur 15 Zentimeter großen Andockpunkt zu treffen. Gegen 15.30 Uhr MESZ machte er schließlich fest.

Die sechs Besatzungsmitglieder der ISS sollen die Fracht in den nächsten Tagen entladen. „Diesmal war sehr viel Kaffee dabei“, sagte Rachid Amekrane, der bei Airbus fürs Beladen verantwortlich ist. „Fast 40 Kilo.“ Aus den Frachtlisten kann er jedes Mal die persönlichen Vorlieben der Astronauten rauslesen: Die Amerikaner bestellen gerne Tortillas, die Italiener Spaghetti.

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst kann sich über Käsespätzle, Grießflammeri und neue Sportkleidung freuen. An Bord ist auch ein Schmelzofen für die Materialforschung, den Gerst auf der ISS einbauen und testen soll.

Etwas wehmütig sind Teichwart und Amekrane schon, dass die ATV-Ära nach sechs Jahren wieder vorbei ist. Trotzdem freuen sie sich auf ihre neue Aufgabe: Auf Basis der ATV-Technik sollen sie ein Servicemodul für das „Orion“-Raumschiff der US-amerikanischen Nasa entwickeln.

„Das erste Ziel ist der Mond. Jeder in meiner Generation träumt natürlich davon“, sagte Teichwart. Als Junge hat er die erste Mondlandung erlebt und wollte seither in die Raumfahrt. In der nächsten Woche sollen die Vorbereitungen für das Servicemodul in Bremen beginnen. Mitte bis Ende 2015 wollen Teichwart und seine Kollegen es zusammenbauen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Lieferservice zur ISS: Raumstation bekommt Kaffee und Spätzle"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%