Living Wall
Interaktive Tapete schaltet die Heizung ein

Wissenschaftler am Media Lab des Massachusetts Institute of Technology haben eine interaktive Tapete entwickelt, über die Nutzer elektrische Geräte, Licht oder die Stereoanlage bedienen können. Die Schalter sind in die Tapete integriert - in Form von leitfähiger Farbe.
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BERLIN. Fahr nicht mit den Fingern die Wand entlang, fordern Väter, die gerade die Wand gestrichen haben, ihre Kinder auf. Dieses Gebot gilt nicht für die Living Wall, eine interaktive Wand, die Leah Buechley vom Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) geschaffen hat. Im Gegenteil: Bei der Living Wall ist Anfassen erwünscht.

In die Tapete haben Buechley und ihr Team verschiedene Sensoren eingearbeitet, die beispielsweise die Heizung des Raums steuern können oder über die Nutzer das Licht einschalten. „Die interaktive Tapete kann so programmiert werden, dass sie die Umgebung überwacht oder elektronische Geräte steuert. Auf hübsche und unaufdringliche Art und Weise kann so die Umgebung mit Computern ausgestattet werden“, schreiben die Wissenschaftler der High-Low-Tech-Group auf der Projektseite der Living Wall.

Die Tapete besteht aus mehreren Lagen Papier, zwischen denen sich eine dünne Stahlfolie befindet. Die Tapete wird nun mit einer leitfähigen Farbe gestrichen, eine Farbe auf Acrylbasis, in der sich Eisenpartikel befinden. Auf diesen Grundanstrich werden dann mit einer anderen leitfähigen Farbe Muster wie Blumen oder Ranken gemalt. Diese bilden Schaltkreise, die mit Leuchtdioden, Helligkeits- und Temperaturfühlern oder berührungsempfindlichen Sensoren verbunden werden.

Das alles sei völlig ungefährlich, versichern die Forscher. Das System nutze eine Spannung von 20 Volt und eine Stromstärke von höchstens 2,5 Ampere. Beim Anfassen der Wand spüre der Nutzer nicht einmal ein Kribbeln, sagte Buechley dem britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Interaktive Wände sind nichts grundsätzlich Neues. Anders als bisherige Konzepte, die beispielsweise teure Sensortechnik oder Projektoren nutzen, setzen Buechley und ihre Kollegen auf günstige und einfach herzustellende Technik. Die Tapete sei aus Papier und könne mit herkömmlichen Verfahren produziert werden, sagte die Wissenschaftlerin.

Ziel der High-Low-Tech-Group des MIT Media Lab ist es, Hochtechnologie mit einfachen Mitteln wie leitender Farbe zu kombinieren und so Nutzern die Möglichkeit zu geben, „eigene Technologien zu entwerfen und bauen, indem wir Computer in neue kulturelle und materielle Kontexte bringen und indem wir Mittel und Wege entwickeln, um Ingenieurstätigkeit zu demokratisieren.“

Ein anderes Projekt der Gruppe beschäftigt sich beispielsweise damit, Technik in Textilien einzuarbeiten. Hannah Perner-Wilson hat mit Hilfe von leitfähigen Garnen und Stoffen eine Tagesdecke mit Sensoren geschaffen, die auf die Neigung der Decke reagieren. Eine zweite Decke wird mit Lichtern ausgestattet, die aufleuchten, wenn die Sensoren der ersten ansprechen.

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