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Löste kosmische Strahlung die Eiszeiten aus?

Die kosmische Strahlung hat möglicherweise einen merklichen Einfluss auf das globale Klima und könnte sogar die Eiszeiten ausgelöst haben. Das schließt ein internationales Forscherteam aus dem Vergleich der Strahlungsaktivität in den vergangenen 220 000 Jahren mit der Temperatur.

dpa HEIDELBERG. Die kosmische Strahlung hat möglicherweise einen merklichen Einfluss auf das globale Klima und könnte sogar die Eiszeiten ausgelöst haben. Das schließt ein internationales Forscherteam aus dem Vergleich der Strahlungsaktivität in den vergangenen 220 000 Jahren mit der Temperatur.

Sie hatten dazu Tiefsee-Bohrkerne und Tropfsteine in den Alpen und im Oman analysiert. Zu Zeiten starker Strahlungsaktivität sinken demnach die globalen Temperaturen, wie die Zeitschrift „Astronomie heute“ (Heidelberg) in ihrer Septemberausgabe berichtet.

Die Stärke der kosmischen Strahlung, bei der es sich trotz des Namens um einen Hagel elektrisch geladener Teilchen handelt, variiert mit Schwankungen im Erdmagnetfeld. Jasper Kirkby vom europäischen Teilchenforschungszentrum Cern bei Genf und Kollegen hatten in den Tiefsee-Sedimenten nach einer speziellen Sorte des Elements Beryllium gefahndet, dem Isotop Beryllium-10. Es entsteht durch Kollisionen der kosmischen Strahlung mit Staubteilchen in der oberen Atmosphäre.

Der herabrieselnde Staub bildet auf dem Meeresboden ein Archiv der Strahlungsintensität. Tropfsteine, deren Wachstum von der Temperatur abhängt, gaben ihnen andererseits Aufschluss über die Klimaentwicklung. Die Forscher vermuten, dass eine stärkere kosmische Strahlung die Wolkenbildung fördert, indem sie auf bisher unbekannte Weise mehr so genannte Kondensationskeime entstehen lässt. Da Wolken Sonnenenergie in den Weltraum reflektieren, sorgen sie für eine Abkühlung der Atmosphäre.

Das Team sieht sein Eiszeit-Modell als Alternative zum Milankovic- Zyklus der Erdbahnschwankungen, der sich als Erklärung der Eiszeiten etabliert hat. Hochpräzise Klimadaten hätten jedoch gravierende Lücken im Milankovic-Modell aufgezeigt, die dessen Gültigkeit in Frage stellten, schreiben die Forscher in ihrer Originalarbeit, die sie zur Veröffentlichung beim Fachjournal „Earth and Planetary Science Letters“ eingereicht haben.

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