Logopädie
Computer visualisiert Sprachfehler

Sprechstörungen auszubügeln, ist manchmal gar nicht so schwer – man muss sie nur sichtbar machen. Und zwar möglichst realistisch. Den so genannten audiovisuellen Sprachsynthesizern mangelte es bisher an Realitätsnähe, doch eine Neuentwicklung verspricht nun Abhilfe.

BERLIN. Sascha Fagel und Katja Grauwinkel vom Institut für Sprache und Kommunikation an der Technischen Universität Berlin haben einen virtuellen Kopf entwickelt, mit dem sich dreidimensional zeigen lässt, was zwischen Lippe und Rachen passiert, wenn gesprochen wird. „Wir haben mit Massy erstmals ein System für deutsche Sprache entwickelt, das beliebige Worte und Laute räumlich visualisiert“, sagt Kommunikationsforscher Sascha Fagel. Massy steht für „Modularer Audiovisueller Sprachsynthesizer“.

Das System arbeitet denkbar einfach. Nutzer tippen etwa das Wort „Nase“ in den Computer ein, woraufhin auf dem Monitor ein computeranimierter Kopf erscheint, der die für dieses Wort typischen Sprechbewegungen visualisiert. Massy zeigt dabei alle im Mund verborgenen Organe, die an der Lautbildung beteiligt sind und von Logopäden üblicherweise nicht sichtbar gemacht werden können.

„Diese Visualisierung hilft, Laute und Lautfolgen richtig auszusprechen. Denn durch das Zeigen versteckter Artikulatoren wie Zungenspitze, Zahndamm, Gaumensegel und Rachenwand und deren Stellung bei der Bildung ganzer Lautfolgen, werden Fehler bei der Lautproduktion deutlich, die so therapiert werden können“, erklärt der Wissenschaftler.

Der Kopf kann je nach Bedarf durchsichtig dargestellt werden, so dass Menschen mit einem Sprechfehler genau sehen können, wie sie etwa die Zunge bewegen müssen, damit das Wort „Soße“ korrekt ausgesprochen wird. Und Massy bietet noch mehr Möglichkeiten, um möglichst authentisch zu wirken: Sprechtempo und Frequenzen können variiert werden – und es kann eine männliche oder weibliche Stimme eingestellt werden. Zudem können die Art der Artikulation, die Emotion (freudig, ärgerlich, traurig) und sogar ein selbst gewähltes Gesicht eingegeben werden.

Dass das System den Sprachunterricht verbessern kann, wurde jetzt bei 16 Kindern nachgewiesen, deren Lispeln mit Hilfe des Talking Heads schneller therapiert werden konnte. „Unsere Ergebnisse in Berliner Praxen machen deutlich, dass bereits kurze Übungsphasen mit Massy bei Kindern mit schwach oder stark ausgeprägtem s-Fehler zu einer deutlichen Verbesserung der Lautproduktion führen“, sagt Katja Grauwinkel, die für die praktische Erprobung zuständig ist. „Das Lispeln geht zurück, die Aussprache wird hörbar besser“, berichtet sie.

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