Lotus-Effekt
Regen spült Dreck vom Dach

Ein Regenguss und das Dach ist wieder frei von Schmutzpartikeln, Fettablagerungen, Ruß, Moos und Algen. Dächer, die sich selbst reinigen. Unmöglich? Nicht mit dem Lotus-Effekt, den Bonner Botaniker erforscht haben.

HB DÜSSELDORF. Nelumbo Nucifera ist der lateinische Name der Lotusblume, und Wilhelm Barthlott ist der Entdecker des nach ihr benannten Phänomens: des Lotus-Effekts. Wassertropfen, die auf das Blatt fallen, rutschen auf der Oberfläche der Lotusblätter ab und reißen Schmutzpartikel mit, die nur lose auf dem Blatt liegen. Möglich wird das durch eine besondere Mikrostruktur der Blattoberfläche.

Diese Selbstreinigungskräfte der Natur will sich nun auch die Baustoffindustrie zu Nutze machen. Experimentiert wird an „intelligenten“ technischen Beschichtungen für Fassaden und Dächern. Erste Dachziegel mit Lotus-Effekt wurden jetzt beispielsweise auf der Münchener Messe „Dach und Wand“ nach langjähriger Erprobung von den Erlus Baustoffwerken vorgestellt. Dabei soll eine in den Ziegel eingebrannte Oberflächenveredelung Schmutzteilchen mit Hilfe des Sonnenlichts zerstören. Der nächste Regen spült den Dreck dann weg. Die Lotus-Ziegel sollen wie ganz normale Ziegel zu behandeln, zu begehen, zu transportieren und zu verarbeiten sein.

Skepsis gegenüber „werblichen Versprechungen“ bei den Vorläufern der jetzt vorgestellten neuen Ziegel-Generation hatte ausgerechnet die Arbeitsgemeinschaft Ziegeldach angemeldet. Die Interessengemeinschaft von Ziegelherstellern monierte, dass noch keine langjährigen Erfahrungen mit solchen Dächern vorlägen. Hauseigentümer müssten mit Überschwemmungen rechnen. Denn das Wasser laufe auf Dächern mit Lotus-Effekt wesentlich schneller ab. Das könne bei größeren Regenrinnen zum Überschießen des ablaufenden Niederschlags führen. Auch seien beschichtete Ziegel weniger widerstandsfähig gegen mechanischen Abrieb.

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