Lufhansa Systems scannt die Schnipsel ein
Software fügt zerrissene Stasi-Akten zusammen

Die zerrissenen Stasi-Akten, die zurzeit in mühevoller Kleinarbeit per Hand zusammenfügt werden, wollen Fraunhofer-Forscher künftig mit Hilfe von Computertechnik automatisch zusammensetzen. So könnten die Papierschnipsel, die in 16 000 Säcken lagern, in nur 5 Jahren wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. Jetzt muss der Bundestag über den Einsatz der Technik entscheiden.

BERLIN. Bertram Nickolay möchte 15 deutsche Beamte vom täglichen Puzzlespiel erlösen. Der Experte für Bilderkennungs-Systeme am Berliner Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik, hat gestern in der Hauptstadt die neue Software präsentiert, die geschredderte Akten automatisch wieder herstellen kann. Das Programm könnte die Beamten der Behörde ablösen, welche die zerrissenen Stasi-Akten zurzeit per Hand zusammensetzen.

Für das neuartige Rekonstruktionssystem hat sich das Institut mit der Lufthansa Systems Group GmbH zusammengetan. Deren Tochter, die Gesellschaft für beleglose Dokumentenbearbeitung mbH, soll die Papierschnipsel mit automatischen Hochleistungsscannern erfassen. Die Fraunhofer-Software verarbeitet diese Scannerdaten dann in zwei Schritten: Zunächst analysiert sie die Form sowie die Farbe und Linierung, das Schriftbild und die Schriftart der Aktenreste. Und im zweiten Schritt ordnet das Programm die Fetzen einander zu. Blatt für Blatt stellt das System so die vernichteten Unterlagen wieder her. „Wir schätzen, dass wir auf diese Weise etwa 80 Prozent der Akten automatisch zusammensetzen können“, sagte Nickolay.

Kurz nach der Wende hatten Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit ihre Akten systematisch vernichtet. Das Ergebnis der Spurenbeseitigung: Mehr als 600 Millionen Papierschnipsel lagern zurzeit in der Magdeburger Außenstelle der Stasi-Akten-Behörde.

Im bayerischen Zirndorf werden die Akten nun seit acht Jahren per Hand zusammengesetzt. Mit dieser Methode würde die komplette Rekonstruktion jedoch mehr als 400 Jahre dauern. Daher hatte der Bundestag vor zwei Jahren eine Studie in Auftrag gegeben, die prüfen sollte, ob die Wiederherstellung der Stasi-Akten mit Hilfe von Computertechnik nicht schneller erfolgen könne. An der Ausschreibung hatten sich mehr als 20 Konsortien beteiligt, darunter die deutsche Niederlassung des US-Softwareherstellers SER Solutions Inc. sowie eine Gruppe von Informatikern der TU München. Das Berliner Institut hatte schließlich im Sommer den Zuschlag erhalten.

Über die Anschaffung des neuen Systems muss nun der Bundestag entscheiden. Der Einsatz der Technik wird den Bund nach Angaben der Anbieter jährlich einen „einstelligen Millionenbetrag“ kosten. Gunter Küchler, einer der Geschäftsführer von Lufthansa Systems, kündigte an, sein Unternehmen wolle nach Auftragserhalt ein spezielles Zentrum für die Wiederherstellung der Akten errichten und betreiben.

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