Luftfahrt
Der Turbo-Heli hebt ab

Das US-Unternehmen Sikorsky schickt den schnellsten Hubschrauber der Welt auf Testflug. Der Super-Helikopter soll eine Geschwindigkeit von bis zu 460 Stundenkilometern erreichen - und damit schneller werden als die Kampfflugzeuge des Zweiten Weltkriegs.

DÜSSELDORF. Hubschrauber haben gegenüber Tragflächen-Flugzeugen einen großen Vorteil: Sie brauchen keine lange Start- und Landebahnen. Dafür allerdings sind sie viel langsamer. Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt meist zwischen 200 und 300 Stundenkilometern. Den Weltrekord von 400 Stundenkilometern stellte ein spezieller Westland-Lynx-Helikopter auf – vor mehr als 20 Jahren. Der US-Hersteller Sikorsky will dem Hubschrauber nun auf die Sprünge helfen: Das zur Rüstungsfirma United Technology Corporation gehörende Unternehmen baut den schnellsten Chopper der Welt.

Ende August startete Sikorsky nach vierjähriger Entwicklungsarbeit im US-Bundesstaat New York einen Prototypen, den acht Meter langen „X2 Demonstrator“. Dessen Geschwindigkeit soll etwa doppelt so hoch liegen wie die der heutigen Helikopter. Mit 460 Stundenkilometern könnte das Gerät so schnell werden wie die Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkriegs.

Dass Hubschrauber bisher keine höheren Geschwindigkeiten schaffen, hat technische Gründe. Das jeweils nach vorne laufende Blatt des Rotors addiert seine Vorwärtsgeschwindigkeit zu der des Hubschraubers. Die Blattspitzen und der äußerste Teil des Rotors nähern sich dabei der Schallgrenze oder überschreiten sie. Folge: Der Auftrieb sinkt und der Luftwiderstand vor dem nach vorne laufenden Blatt steigt extrem an. Das beansprucht das Rotorblatt. Der Pilot kämpft mit starken Schwingungen, die das Steuern erschweren.

Auch das jeweils nach hinten laufende Rotorblatt verursacht Probleme. Wenn das nach vorne eilende Blatt zu schnell wird, wird das rücklaufende Blatt gegenüber der Umgebungsluft zu langsam. Der Auftrieb geht verloren. Mancher Hubschrauber kippt daher zur Seite – so lange, bis das vorlaufende Blatt in den Überschallbereich gelangt und damit ebenfalls an Auftrieb verliert.

Um das zu vermeiden, greift Sikorsky auf eine alte Idee zurück. Das Unternehmen installiert gleich zwei Hauptrotoren, die übereinander auf derselben Achse sitzen und in entgegengesetzte Richtungen laufen. Das schaltet ungewollte Bewegungen um die Hoch- und Längsachsen des Hubschraubers aus.

Dieser sogenannte „Koaxialrotor“ konnte aber bisher ein Problem nicht lösen: die bei hohem Flugtempo zu schnell vorwärts und zu langsam rückwärts laufenden Spitzen der Rotorblätter. Sikorsky hat dafür nun ein eigenes Kontrollsystem entwickelt: Ein zusätzliches Triebwerk am Heck sorgt für Schubkraft – mit einem sechsblättrigen Propeller von zwei Metern Durchmesser.

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