Luftfahrt-Sicherheit
Detektoren für den schnelleren Check-in

Wöchentlich 50 Tonnen Müll und eine Vernichtung von geschätzten zwei Millionen Euro: Die strikte Flüssigkeitsregelung beim Handgepäck ärgert Passagiere wie Airlines und Flughafenbetreiber. Moderne Detektoren sollen gefährliche Flüssigkeiten zuverlässig erkennen - und nebenbei den Check-In beschleunigen.
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BERLIN. Wie wichtig sie auch sein mögen: Verschärfte Sicherheitsvorgaben wie die 100-Milliliter-Flüssigkeitsregelung beim Handgepäck ärgern nicht nur die Passagiere, wenn sie ihren Duty-Free-Wodka beim Zwischenstopp nicht durch die zweite Handgepäck-Kontrolle bekommen. Sie führen auch zu erheblichem Unmut bei Airlines und Flughafenbetreibern. Allein durch die Flüssigkeitsregelung sammeln sich an deutschen Flughäfen laut Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) wöchentlich bis zu 50 Tonnen Müll. Und obwohl es sich dabei um Gegenstände im Wert von etwa zwei Mio. Euro handelt, müssen die Flughafenbetreiber die vermeintlichen Sprengsätze auch noch kostenpflichtig entsorgen.

"Diese Regelung macht niemanden glücklich", sagt Stefan Aust, Leiter des Produktmanagements bei Smiths Heimann, der deutschen Tochter von Smiths Detection, einem führenden Hersteller von Systemen zur Detektion von Gefahren und Schmuggelgut. "Die Branche sucht deshalb händeringend nach Ansätzen, die es ermöglichen, wieder mehr Flüssigkeiten an Bord zu nehmen." Aust verweist auf sogenannte Atix-Röntgengeräte (Advanced Threat Identification X-Ray) seines Unternehmens - laut Smiths Detection das erste System, das Sprengstoffe automatisch erkennt. Anhand von Volumen und Dichte verdächtiger Stoffe könne das Gerät beispielsweise unterscheiden, ob eine Flasche tatsächlich nur Cola oder auch Nitroglycerin enthält.

Ein weiterer Unterschied zu herkömmlichen Geräten: Statt nur mit einem Röntgenstrahl durchleuchtet der Atix-Scanner das Handgepäck in gleicher Zeit aus vier verschiedenen Winkeln. So findet sich fast immer eine Position, die versteckte Gegenstände sichtbar macht. Verdächtiges Handgepäck leitet das System automatisch auf eine separate Prüfbahn, erst beim dritten auffälligen Scan ist das Sicherheitspersonal gefordert.

Auch die Jülicher Firma Emisens bietet ein serienreifes System zur Identifikation von Flüssigkeiten in geschlossenen Behältern für den Einsatz im Checkpoint an. Der Entwickler Norbert Klein, ein Physiker des Forschungszentrums Jülich, verspricht, dass sein System namens Emili Flüssigkeiten per Mikrowellentechnik in weniger als einer Sekunde identifiziert. Harmlose Stoffe könnten so zuverlässig durch das Gefäß hindurch von brennbaren und korrosiven Flüssigkeiten sowie Flüssigsprengstoffen oder deren Ausgangsstoffen unterschieden werden, sagt Klein.

"Es ist nicht schwierig, gefährliche Stoffe zu erkennen", meint Konkurrent Aust, "zeitraubende Fehlalarme sind das größere Problem". So bringe die hohe Trefferquote der neuen Scanner nebenbei eine deutliche Beschleunigung der Abfertigungsprozesse. Am Flughafen Heathrow, wo die Atix-Geräte zugelassen sind, habe sich der Durchlauf an den Checkpoints so auf 250 bis 260 Passagiere pro Stunde erhöht. Herkömmliche Geräte schaffen gerade einmal rund die Hälfte.

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