Lungenhochdruck

Zukunftspreis für lebensrettendes Medikament

Der Deutsche Zukunftspreis gehört zu den wichtigsten Wissenschaftspreisen in Deutschland. In diesem Jahr wurde die Auszeichnung für ein Medikament gegen Lungenhochdruck verliehen – auch wegen dessen Marktfähigkeit.
Bundespräsident Joachim Gauck (2.v.l.) verleiht an Ardeschir Ghofrani (l-r, Justus-Liebig-Universität Gießen), Reiner Frey und Johannes-Peter Stasch von Bayer den Deutschen Zukunftspreis 2015. Quelle: dpa
Auszeichnung verliehen

Bundespräsident Joachim Gauck (2.v.l.) verleiht an Ardeschir Ghofrani (l-r, Justus-Liebig-Universität Gießen), Reiner Frey und Johannes-Peter Stasch von Bayer den Deutschen Zukunftspreis 2015.

(Foto: dpa)

BerlinFür ein lebensrettendes Medikament haben Forscher aus Wuppertal und Gießen den Deutschen Zukunftspreis bekommen. Bundespräsident Joachim Gauck übergab die mit 250.000 Euro dotierte Auszeichnung am Mittwoch in Berlin. Damit setzten sich die Forscher von Bayer Pharma und der Justus-Liebig-Universität gegen zwei Mitbewerber durch. „Das ist ein unglaublicher Motivationsschub für uns“, sagte Teamleiter Ardeschir Ghofrani.

Die beiden anderen Gruppen aus Hamburg und Oberfranken sowie aus Bayern waren für den Bau leichterer Flugzeuge mit Hilfe von 3D-Druck beziehungsweise für eine Technik zur Vermeidung von Autounfällen nominiert.

Der Deutsche Zukunftspreis gehört zu den wichtigsten Wissenschaftspreisen in Deutschland. Zu den Kriterien gehört neben einer innovationsstarken Forschungsleistung auch die Marktfähigkeit des Produktes.

Wie aus Hanf ein Medikament wird
Cannabis
1 von 6

Im Auftrag des Herstellers Bionorica züchtet die österreichische Staatsagentur AGES am Stadtrand von Wien die Hanfpflanzen. Gut sechs Monate dauert der Anbauzyklus. Von der Farbe der Pflanzentöpfe bis zu einer speziellen Reflexion des Lichtes ist bei der Züchtung alles durchoptimiert. Die Hanfblüten gedeihen am besten, wenn die Lichtzeiten kurz sind.

Bionorica
2 von 6

Am Firmensitz in Neumarkt/Oberpfalz verarbeitet der Hersteller Bionorica die Hanfblüten weiter. Der Tresorraum, in dem die Blüten zunächst lagern, ist durch eine schwere Stahltür, Kameras, Bewegungsmelder und Erschütterungssensoren gesichert. Die Medikamenten-Entwickler von Bionorica interessieren insbesondere die feinen Drüsenhärchen der Hanfblüten – in ihnen ist der entscheidende Wirkstoff Tetrahydrocannabinol, kurz Thc, enthalten.

Chemische Reaktionsverfahren
3 von 6

Die getrockneten Hanfblüten werden in großen, stählernen Zylinderkesseln mit Lösungsmitteln versetzt. Bionorica nutzt nun die ganze Bandbreite der chemischen Reaktionsverfahren: Destillieren, Kondensieren, Kühlen, Verdampfen, Erhitzen. Ein Chromatograph trennt das Thc von anderen Bestandteilen; das verbliebene wird auf 60 bis 70 Grad erhitzt. Die Abläufe werden so lange wiederholt, bis der Laborleiter mit dem Wirkstoffgehalt zufrieden ist.

Flüssigkeit
4 von 6

Eine bernsteinfarbene Flüssigkeit ist entstanden. Der Thc-Anteil liegt nun bei über 97 Prozent.

Spritzen
5 von 6

Der entstandene Wirkstoff wird auf Spritzen gezogen. Wie viele Hanfblüten nötig sind, um eine Dosis herzustellen, verrät Bionorica leider nicht.

Kein Fertigarzneimittel
6 von 6

Bis zur Auslieferung an die Apotheken lagern der Stoff im Tresorraum. Allerdings ist Dronabinol nicht als Fertigarzneimittel zugelassen. Das heißt: Vor Ort müssen die Apotheker das Medikament noch zusammenmischen – sie kombinieren dabei die Substanz aus der Spritze mit einem speziellen Lösungsmittel. Das fertige Medikament Dronabinol nutzen in Deutschland derzeit etwa 600 bis 700 Patienten

Die Gewinner entwickelten einem Wirkstoff, der bei mehreren Formen von lebensbedrohlichem Lungenhochdruck wirkt. Das Medikament ist bereits in 50 Ländern zugelassen.

Die Patienten bilden zu wenig Stickstoffmonoxid, das ein gefäßerweiterndes Enzym stimuliert. Fehlt dieses, so verengen sich die Lungenarterien, in denen damit der Druck steigt. Für die Betroffenen wird jede Anstrengung schwierig, schon Treppensteigen bringt sie in Atemnot. Werden Patienten nicht therapiert, droht der Herztod. An Lungenhochdruck kann jeder erkranken, auch Kinder.

Den Wissenschaftlern gelang es nun, das gefäßerweiternde Enzym lösliche Guanylatcyclase unabhängig vom Stickstoffmonoxid anzuregen. Für die Forscher eine bahnbrechende Erkenntnis – sie fanden einen molekularen Ansatzpunkt, der in der Natur nicht genutzt wird. Das sei ein komplett neuer Mechanismus in der Pharmakologie, erklärte Ghofrani. „Es handelt sich um eine neue Medikamentenfamilie.“

Das Medikament kann bestimmten Patienten helfen, für die es bisher keine medikamentöse Therapie gab. Bei anderen Betroffenen könnten die Symptome gelindert werden. Teilweise gelinge es, sie wieder in die Arbeitswelt zu integrieren, sagte Ghofrani. Das Medikament muss auf Dauer genommen werden, um die Krankheit im Griff zu halten.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Lungenhochdruck - Zukunftspreis für lebensrettendes Medikament

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%