Made in Germany
Kariesbehandlung ohne Bohrer

Der Mann im Café mit den lockigen schwarzen Haaren sieht wie ein Musiker aus. Dabei ist Hendrik Meyer-Lückel, 36, Zahnmediziner an der Universität Kiel. Er hat habilitiert und ist Erfinder. Gemeinsam mit seinem 31-jährigen Kollegen Sebastian Paris hat er eine Substanz entwickelt, welche die Kariestherapie verändern könnte. Die Paste stoppt den Angriff auf den Zahnschmelz – ohne dass gebohrt werden muss.
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Vor zwei Jahren wurden die beiden Erfinder für diese Idee mit dem Innovationspreis Berlin-Brandenburg geehrt. Inzwischen ist die Paste auf dem Markt. Seit acht Wochen vermarktet das Hamburger Medizintechnikunternehmen DMG den Kariesstopper – mitsamt dem Werkzeug zum Auftragen.

Der Verkauf sei gut angelaufen, freut sich Meyer-Lückel. Mit dem Slogan „Bohren? Nein danke!“ auf runder, grüner Plakette rüttelt DMG niedergelassene Zahnärzte auf und knüpft an die Anti-Atomkraftbewegung der achtziger Jahre an, die damals mit „Atomkraft? Nein danke!“ erfolgreich war.

Den Werbeslogan haben sich die Marketingexperten von DMG ausgedacht. Aber er passt auch hervorragend zu den beiden jungen Zahnmedizinern, die eine kleine Revolution in den Köpfen ihrer Kollegen anstoßen wollen. „Es ist mein Traum, die Philosophie in den Praxen zu verändern, dass man weniger bohrt und mehr vom Zahn erhält“, bekräftigt Meyer-Lückel.

Die häufigste Karies sitzt hierzulande zwischen den Zähnen, unterhalb des Kontaktpunktes der beiden Beißer. Um sie zu entfernen, wird die gesunde Zahnsubstanz darüber weg gebohrt, weil der Arzt nur so an das Loch herankommt. Diese Grobsanierung entfällt mit dem neuartigen Kariesstopper und gerät zur schonenden Restaurierung.



Dass die jungen Männer zu Erfindern werden würden, hätten sie sich nicht träumen lassen. Frappierend ähnlich sind beide Lebenswege. Die Eltern sind Ärzte, teils sogar Zahnmediziner. Den Söhnen fiel nichts Besseres ein, als in ihre Fußstapfen zu treten. Auf die Frage, warum er sich für Zahnmedizin entschieden habe, sagt Meyer-Lückel: „Aus Mangel an Kreativität.“ Er lacht. „Auch aus Vernunftgründen, weil das Studium viel kürzer ist als das der Medizin“, fügt er hinzu. Sei’s drum. Im Studium flog die Kreativität dem gebürtigen Hessen und seinem Berliner Kommilitonen zu. Beide entdeckten Freude an diesem Fach, in das sie regelrecht hineingeschlittert waren.



„Unser Produkt hätte ich selbst auch schon sieben, acht Mal in meinem Leben brauchen können“, sagt Meyer-Lückel. Doch damals musste er noch Kunststofffüllungen wählen. Meyer-Lückel ist über die gemeinsame Erfindung längst zum Verfechter der präventiven Zahnmedizin geworden. Als Vorsitzender der Stiftung innovative Zahnmedizin fördert er die sanften nicht- und mikroinvasiven Techniken – durch die gar kein oder nur sehr wenig natürliches Gewebe und Zahn entfernt werden.

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