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Strom aus dem Auspuff

Die Geschäftsidee von sechs jungen Wissenschaftlern klingt so einfach wie spektakulär: aus Abgasen Strom erzeugen. Ihre Firma Orcan Industries will kleine Kraftwerke auf die Straße bringen. Ein Patent auf Dampfkraft, die alte Triebfeder der Industrialisierung? Das Team glaubt fest daran.

DÜSSELDORF. Diese Art von Überzeugungsarbeit geht ins Geld. Trotzdem zückt Mathias Bertele das Feuerzeug. Ein 10-Euro-Schein wird bei Präsentationen regelmäßig abgefackelt, um den Gedanken des Energiesparens plastisch zu machen: „Ich will damit sagen: Ihr braucht unsere Technik, sonst verbrennt ihr Geld“, erzählt der 26-Jährige, der gerade sein BWL-Studium abgeschlossen hat. Die Geschäftsidee seiner Firma Orcan Industries klingt spektakulär: aus Abgasen Strom erzeugen.

Der Trick zieht. Nicht nur, weil ihn der Bayer charmant-beiläufig herüberbringt. Sondern weil auch das Schlüsselprinzip von Orcan technisch einleuchtet: Es ist im Grunde ein mobiles Mini-Dampfkraftwerk, das Bertele auf den Markt bringen will. Gemeinsam mit zwei Physikern, zwei Maschinenbauern und einer Kulturwirtin ist er dabei, die Innovation patentieren zu lassen.

Ein Patent auf Dampfkraft, die alte Triebfeder der Industrialisierung? Das Team glaubt fest daran: Das Modul ist nicht viel größer als ein Kleiderschrank und nutzt Abwärme, um Strom zu erzeugen. Zugrunde liegt ein Prinzip aus dem 19. Jahrhundert: der sogenannte „Organic Rankine Cycle“-Prozess, kurz ORC. Er stand auch Pate bei der Namenswahl für das Start-up, das nun die Technik in die Neuzeit übersetzt.

„Das Ganze so klein und mobil zu machen, daran hat bisher offenbar noch niemand gedacht“, frohlockt Bertele. Allerdings wäre das bis vor kurzem auch nicht wirtschaftlich gewesen, räumt er ein. Erst seitdem die Treibstoffpreise immer neue Rekordstände erreichen, lohne der Einsatz. Die Team-Ingenieure Andreas Schuster und Richard Aumann, Doktoranden an der TU München, schafften es außerdem, den Prozess schon bei rund 100 Grad Celsius statt wie bisher 300 Grad zum Laufen zu bringen. Auch konnten sie das Modul deutlich kleiner und leichter gestalten. So lohnt sich die Anwendung nicht nur beim Umwandeln von Prozesswärme in der Industrie, sondern kommt auch für Busse und LKWs infrage. Mit dem gewonnenen Strom ließen sich Klimaanlagen oder Hybridmotoren betreiben. Zehn Prozent Treibstoff könne man sparen, sagt Bertele.

„Für die Stadt Berlin mit ihren 1 300 Bussen würde sich die Investition schon nach eineinhalb Jahren amortisieren“, sagt Bertele. Von den eingesparten CO2- Emissionen ganz zu schweigen.

Auch wenn Bertele die Präsentationstricks bei einem Praktikum in den USA abgeschaut hat – seine Begeisterung ist echt: „Wenn ein LKW an mir vorbeifährt, gucke ich gleich, wo unser Modul Platz hätte, um die thermische Energie abzugreifen. Man könnte überall was machen!“ schwärmt Bertele tatendurstig.

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