Forschung + Innovation
Mainzer Elfenbeinforscher hilft Zoll bei Schmugglerjagd

Das Arbeitszimmer des Mainzer Mineralogen Arun Banerjee ist bis unter die Decke voll gestopft mit Akten, Büchern und Fachzeitschriften. Soweit für einen Wissenschaftler nichts Ungewöhnliches.

dpa MAINZ. Das Arbeitszimmer des Mainzer Mineralogen Arun Banerjee ist bis unter die Decke voll gestopft mit Akten, Büchern und Fachzeitschriften. Soweit für einen Wissenschaftler nichts Ungewöhnliches. Doch auf einem Regal ist auch Platz für konfisziertes Schmuggelgut: Edle Schnitzereien und Kunstwerke aus Elfenbein.

Banerjee ist bundesweit anerkannter Experte für das weiße Gold und arbeitet unter anderem als Gutachter mit dem Zollamt des Frankfurter Flughafens und dem Bundesamt für Naturschutz zusammen.

Schon 1989 wandten sich die Zollfahnder das erste Mal an ihn, erzählt der Forscher am Instituts für Geowissenschaften der Universität Mainz. Die Beamten hatten bei einem Reisenden Elfenbein gefunden und wollten nun wissen: Elefant oder Mammut? Illegal oder erlaubt? Nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen von 1989 ist der Handel mit Elefantenelfenbein weltweit verboten. Jedoch gibt es in Russland große Vorkommen von Mammutelfenbein. Der Handel mit diesen rund 20 000 Jahre alten und bis zu 30 Kilo schweren Zähnen ist legal.

Für den Laien sind die Elfenbeinarten schwer zu unterscheiden. „Es gibt zwar typische Wachstumsstrukturen, an denen der Unterschied mit bloßem Auge zu erkennen ist“, erklärt der Experte. Diese seien jedoch je nach Bearbeitung des Stückes nicht mehr auf den ersten Blick zu sehen. Im Institutslabor kann die Art des Elfenbeins dagegen mit wissenschaftlichen Methoden exakt bestimmt werden - und zwar nicht nur, ob es sich um den Zahn eines asiatischen oder afrikanischen Elefanten handelt, sondern auch, ob das Material von einem Steppen- oder einem Waldelefanten stammt.

Vor zwei Jahren gründete Banerjee zusammen mit Kollegen das Internationale Zentrum für Elfenbeinforschung (Incentivs), um den Austausch zwischen allen Forschern und Museen zu intensivieren. Zu der Arbeit der deutschlandweit einmaligen Einrichtung gehört auch, die Herkunft und Art historischer und archäologischer Elfenbeinfunde zu bestimmen. „Wir helfen etwa dabei, aufzuklären, welches Elfenbein Menschen im historischen Konstantinopel verwendeten“, erklärt Banerjee. So lassen sich Aussagen über damalige Handelsbeziehungen treffen.

Besonders wichtig - gerade für die wertvollen historischen Stücke - sei die zerstörungsfreie Methode, die am Mainzer Institut verwendet werde. Dabei werden die Elfenbeinproben mit Infrarotlicht bestrahlt. Die entstehende Wechselwirkung mit dem Material gebe dann Auskunft über die Herkunft, erläutert der Wissenschaftler. Elfenbein stamme keineswegs nur vom Elefanten oder Mammut, sondern auch von Nilpferden oder Walrossen. Beim Deckel eine byzantinischen Jagdtasche wies der Wissenschaftler beispielsweise zweifelsfrei nach, dass Zähne vom Walross verarbeitet wurde. Oft würden auch Horn, Tierknochen oder die so genannte Steinnuss aus der Frucht einer Palme als Elfenbeinersatz genutzt.

Das Frankfurter Zollamt setzt besonders bei schwierigen Fällen auf den Rat von Banerjee. „Er verfügt über sehr genaue Methoden“, sagt die Sachbearbeiterin für Artenschutz, Rosalinde Mallon. Bei größeren Stücken könnten die Fahnder meist selbst erkennen, um welches Elfenbein es sich handelt. „Bei Schmuck oder anderen kleinen Teilen ist dies mit dem Auge oder einer Lupe oft nicht mehr möglich“. Zudem lasse sich die Behörde auch von Experten des Frankfurter Senckenbergmuseums und des Elfenbeinmuseums Erbach im Odenwald beraten.

Trotz des Artenschutzabkommens gibt es nach den Erfahrungen von Banerjee nach wie vor einen schwunghaften illegalen Handel mit Elfenbein - unter anderem nach Japan. „Dort wird das edle Material vor allem für Hankos genutzt, persönliche Stempel, die bei Beglaubigungen nötig sind“, erklärt er. Ein Hanko sei für Japaner ein wichtiges Statussymbol, je wertvoller, desto besser. Verwendet würde häufig Elfenbein des Waldelefanten - obwohl auch der Handel mit den Zähnen dieser höchst gefährdeten Tiere verboten ist.

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