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Manische Depressionen werden viel zu spät erkannt

Manisch-depressive Erkrankungen werden nach Expertenmeinung als „bipolare Störungen“ viel zu spät erkannt. „Statistisch wird erst acht Jahre nach Ausbruch der Krankheit die richtige Diagnose gestellt, das ist eine Katastrophe“.

dpa AUGSBURG. Manisch-depressive Erkrankungen werden nach Expertenmeinung als „bipolare Störungen“ viel zu spät erkannt. „Statistisch wird erst acht Jahre nach Ausbruch der Krankheit die richtige Diagnose gestellt, das ist eine Katastrophe“.

Das sagte der Augsburger Oberarzt Andreas Erfurth in einem dpa-Gespräch bei einer Fachtagung am Samstag in Augsburg. In Deutschland seien rund vier Millionen Menschen betroffen. Unter diesen Patienten sei die Selbstmordgefährdung 20 Mal höher als in der Normalbevölkerung.

„Immer häufiger stellen wir manisch-depressive Erkrankungen bei Jugendlichen fest“, sagte Erfurth. Das führe zu Schulversagen, Gewalttätigkeit und Aggressivität bei jungen Männern sowie zur Flucht in Alkohol und Drogen. Erfurth: „Ein typischer Fall: Eine 16-Jährige wird in der euphorischen Phase schwanger, dann kommt die Abtreibung, die junge Frau fällt in eine schwere Depression, ein Jahr in der Schule ist schnell verloren, dann der Schulabbruch.“ Erwachsene Männer seien in den manischen Phasen oft hoch aggressiv und gefährlich. „Da steht die Polizei ganz schnell vor der Tür“, sagte Erfurth, der als Oberarzt am Augsburger Klinikum manisch-depressive Patienten betreut.

Bei Patienten mit bipolaren Störungen bestehe in der depressiven Phase ein großes Suizidrisiko. Rund 20 Prozent der Betroffenen würden einen Selbstmordversuch unternehmen, etwa 15 Prozent sterben am Suizid. Erfurth: „Die Dunkelziffer ist viel höher.“ Die Ursachen für diese schwere Erkrankung seien noch nicht ganz bekannt, eine genetische Veranlagung sei aber mitverantwortlich. „Auch die Hormone spielen eine große Rolle.“ Bei richtiger Behandlung könnten die Patienten geheilt werden. Dafür gebe es neue, wirksame Medikamente. In jedem Fall brauchen manisch-depressive Patienten ärztliche Hilfe, sagte Erfurth und wies auch auf Selbsthilfegruppen hin.

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