Maßnahmen zum Klimaschutz
Günstiger als Wind

Wie viele Milliarden Euro können die Klimakatastrophe aufhalten? Pünktlich zum Beginn des Klimagipfels in der kenianischen Hauptstadt Nairobi läuft die Diskussion darüber heiß. Klimaschutz-Experten streiten, welche Maßnahmen am wirksamsten sind. Den größten Beitrag könnten die Kernenergie und saubere Kohlekraftwerke leisten.
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Besonders umstritten ist der aktuelle Report des Wirtschaftsprofessors Sir Nicholas Stern über die finanziellen Folgen der Erderwärmung, Auftraggeber: der britische Schatzkanzler Gordon Brown. Stern malt ein wahres Schreckensbild: Sollte die Welt nicht sofort entschieden gegen die Emission von Treibhausgasen vorgehen, drohe ihr ein ökonomisches Desaster, orakelt der ehemalige Chefökonom der Weltbank düster. Die Klimaschäden könnten 20 Prozent und mehr des globalen Bruttoinlandsprodukts auffressen.

"Pure Panikmache" sei das, kontert der Umweltökonom Richard Tol von der Universität Hamburg. Stern habe die Schäden viel zu hoch und die Kosten für die Emissionsreduktion viel zu niedrig angesetzt. Sein Fazit: "Was da steht, ist Quatsch".

Unstrittig ist indes, dass der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid, hauptverantwortlich für die steigenden Temperaturen, weltweit kräftig steigt. Das zeigen jüngste Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) und der Vereinten Nationen (siehe Grafik nächste Seite). Als Dreckschleudern entpuppen sich neben den Autos vor allem Kraftwerke. Würde die Energieerzeugung sauberer, wäre das ein wirksamer Beitrag zur Klimastabilisierung, darin sind sich die Fachleute einig.

Doch in was investieren? In extrem teure Solarzellen-Kraftwerke? Oder die Meere mit Windkraftanlagen zupflastern, auf die angesichts schwankender Wetterverhältnisse kein Verlass ist? Langsam setzt sich die Erkenntnis durch: Wind, Sonne und andere erneuerbare Quellen sind unverzichtbar, doch allein schaffen sie es nicht.

Bei der Stromversorgung ist neben der Kernenergie vor allem Kohle gefragt, weil sie noch für weit mehr als 100 Jahre reicht, während die übrigen fossilen Rohstoffe in einigen Jahrzehnten erschöpft sind. Vorzugsweise in Deutschland und den USA werden neue Kraftwerke entwickelt, die hohe Wirkungsgrade haben und damit weniger Kohle verbrauchen. Gleichzeitig bieten sie die Möglichkeit, das entstehende Kohlendioxid (CO2) abzutrennen und so zu lagern, dass es nicht in die Atmosphäre entweichen kann. Für Professor Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), ist diese Technologie "ein ganz wichtiger Joker im Kampf gegen die globale Klimaerwärmung". Das sieht auch IEA-Direktor Claude Mandil so. Es komme darauf an, den Kraftwerkspark so zu modernisieren, dass der CO2-Ausstoß sinke.

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